Northeim (awin). Der Kreistag hat am 13. März die Einrichtung einer Männerberatungsstelle beschlossen. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen begleiteten den Beschluss. Ziel des neuen Angebots ist es, Männer in Krisensituationen früher zu erreichen und Gewalt vorzubeugen.
Neue Beratungsstelle geplant
Mit dem Beschluss wird die Landrätin beauftragt, zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Männerberatungsstelle einzurichten. Ab 2027 soll dafür im Stellenplan eine 0,13-Stelle nach Entgeltgruppe S12 (TVöD-SuE) vorgesehen werden. Die Stelle soll zunächst befristet ausgeschrieben und nach Rechtskraft des Haushalts 2027 entfristet werden. Zudem soll der zuständige Fachausschuss im Jahr 2027 über die Arbeit der Beratungsstelle informiert werden.
Die Beratungsstelle soll organisatorisch bei der Gleichstellungsstelle angesiedelt werden. Vorgesehen ist vor allem eine niedrigschwellige Online-Beratung, ergänzt durch telefonische oder persönliche Gespräche.
Hintergrund: Gewalt betrifft auch Männer
Ausgangspunkt für die Initiative sind aktuelle Zahlen zur häuslichen Gewalt. Nach dem Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024 des Bundeskriminalamts wurden im Berichtsjahr 265.942 Opfer registriert. Rund 70 Prozent der Betroffenen waren Frauen, knapp 30 Prozent Männer. Insgesamt stieg die Zahl um 3,8 Prozent.
Im Landkreis Northeim erhielt die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) jährlich etwa 100 Protokolle zu männlichen Betroffenen. Bis Ende 2025 wurden diese Beratungen vom Land Niedersachsen anerkannt. Seit diesem Jahr sollen BISS-Stellen jedoch keine Männer mehr beraten.
Spezialisierte Angebote für männliche Betroffene gibt es bislang nicht. Männer können sich derzeit unter anderem an das Opferhilfebüro in Göttingen, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder den Weißen Ring wenden.
Prävention und Unterstützung
Die geplante Beratungsstelle richtet sich an Männer in persönlichen Krisensituationen, etwa bei Beziehungsproblemen, familiären Konflikten oder psychischen Belastungen. Ziel ist es, frühzeitig zu stabilisieren, an weitere Hilfsangebote zu vermitteln und mögliche Gewaltentwicklungen zu verhindern.
Ein Schwerpunkt liegt auf Selbstreflexion, Deeskalation und gewaltfreien Lösungsstrategien. Die Beratung soll vorrangig durch eine männliche Fachkraft erfolgen.
Kritik aus dem Kreistag
Im Kreistag gab es auch kritische Stimmen. Der AfD-Kreistagsabgeordnete Andreas Jakob erklärte: „Bis vor ein paar Jahren war mir das Thema häusliche Gewalt gegen Männer gänzlich unbekannt. Es ist mir vor ein paar Jahren jemand begegnet, dem so etwas tatsächlich über Jahre widerfahren ist. Deshalb bin ich für die Einrichtung so einer Anlaufstelle. Aber dafür sollte kein neuer Posten geschaffen oder Gelder aufgebraucht werden. Das könnte man in die vorhandenen Stellen integrieren, da es wahrschlich nicht viele Männer geben wird, die das Angebot wahrnehmen und sich outen werden.“
Trotz einzelner Einwände beschloss der Kreistag die Einrichtung der Beratungsstelle mit Mehrheit.