Einbeck (awin). Der Umbau des Neustädter Kirchplatzes beschäftigt Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit seit vielen Jahren. In der Stadtratssitzung am 11. März hat Bürgermeisterin Sabine Michalek den aktuellen Stand des Projekts erläutert, Hintergründe der Entwicklung dargestellt und Fragen zu Kosten, Baufortschritt und Nutzung des künftigen Pavillons beantwortet.
Ein Platz mit neuer Funktion für die Innenstadt
Aus Sicht der Bürgermeisterin sei der Handlungsbedarf für die Umgestaltung schon lange erkennbar gewesen. Der bisherige Platz sei nach dem Abriss der alten Neustädter Kirche St. Marien und seiner Gestaltung in der Waschbeton-Architektur der 60er Jahre deutlich in die Jahre gekommen. „Er hatte seine Funktion und seine Aufenthaltsqualität verloren“, erklärte Michalek.
Über viele Jahre sei diskutiert worden, wie der Neustädter Kirchplatz künftig gestaltet werden solle. 2014 habe der Stadtrat schließlich die Umgestaltung beschlossen. Zwei Jahre später folgte ein städtebaulicher Wettbewerb für den zentral gelegenen Platz. Parallel dazu wurden Bürgerinnen und Bürger beteiligt: Im Alten Rathaus seien gemeinschaftlich und konstruktiv Anregungen für die Gestaltung erarbeitet worden.
Der Entwurf des späteren Wettbewerbssiegers bilde nun die Grundlage für die aktuelle Umsetzung. Der Beschluss sei einstimmig erfolgt, betonte Michalek. Zudem habe der verstorbene Ratsherr Walter Schmalzried einen größeren Geldbetrag für die Umsetzung des geplanten Brunnens gespendet.
Mit der Neugestaltung soll nach Worten der Bürgermeisterin ein multifunktionaler Stadtplatz entstehen. Er werde künftig Raum für Veranstaltungen und Feste bieten, zugleich aber auch als Aufenthaltsort für Gäste dienen. Der Platz solle außerdem als „Entre zur Stadt und als Tor zur Fußgängerzone“ fungieren.
Kritik und Verzögerungen beim Bau
In den sozialen Medien werde das Bauprojekt teilweise kritisch kommentiert. Dort sei etwa von einem „Einbecker Dauerärgernis“ die Rede, der Pavillon werde sogar als „Schandfleck“ bezeichnet.
Diese Begriffe würden der Bedeutung des Platzes für die Stadt jedoch nicht gerecht, erklärte Michalek. Kritik an der Verzögerung des Projekts könne sie allerdings nachvollziehen. „Man darf kritisieren, dass sich die Umsetzung dieses Projekt verzögert hat. Das steht außer Frage“, sagte die Bürgermeisterin. Die Gründe dafür seien jedoch bekannt.
Inzwischen sei der Baufortschritt deutlich sichtbar. „Wir alle können uns nun täglich vom Baufortschritt überzeugen. Die Baufirmen leisten jetzt hervorragende Arbeit“, erklärte Michalek.
Kostenentwicklung noch nicht endgültig geklärt
Auch die Kostenentwicklung stand im Fokus der Ratsanfragen. Nach Angaben der Stadtverwaltung belaufen sich die bislang auf dem Platz verbauten Mittel – einschließlich Abriss des alten Pavillons – auf insgesamt 3.819.212,32 Euro (Stand Ende Februar).
Ob die im zweiten Nachtrag des Jahres 2022 beschlossenen zusätzlichen 3,9 Millionen Euro zusammen mit den zuvor verplanten 2,4 Millionen Euro ausreichen, um das Gesamtprojekt abzuschließen, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.
Michalek verwies darauf, dass im Verwaltungsausschuss am 25. Februar bereits über den aktuellen Stand informiert worden sei. Aufgrund noch bestehender Unwägbarkeiten sollen endgültige Zahlen erst im Mai vorliegen und anschließend veröffentlicht werden.
Die Bürgermeisterin betonte, dass sich die Rahmenbedingungen für Bauprojekte in den vergangenen Jahren deutlich verändert hätten. „Die Kostensteigerungen sind enorm und sind oft schwer kalkulierbar und vorhersehbar“, sagte sie. Deshalb müssten bei frühen Kalkulationen stets Annahmen getroffen werden. Die Stadtverwaltung werde weiterhin transparent über Sachstände und Kosten informieren – allerdings erst dann, „wenn wir seriöse Aussagen treffen können“.
Begegnungsstätte im Pavillon geplant
Auch zur künftigen Nutzung des neuen Pavillons wurden Fragen gestellt. Grundlage für das Nutzungskonzept ist nach Angaben der Stadt ein Projekt der Harz-Weser-Werke. In der öffentlichen Vorlage 2024/1537 zum Weiterbau am Neustädter Kirchplatz sei ein Kurzkonzept mit dem Titel „Mittendrin in Einbeck“ enthalten. Es beschreibt eine inklusive und barrierefreie Begegnungsstätte.
Dieses Konzept sei mit dem Fördermittelgeber abgestimmt worden und bilde die Grundlage für die spätere Nutzung des Gebäudes. Seit Beginn des Jahres 2026 stehe die Stadt wieder im Austausch mit den Harz-Weser-Werken, um die Umsetzung konkret zu planen.
Ein weiteres Treffen mit den im Konzept genannten Gruppen sei für Kalenderwoche 12 vorgesehen. Nach derzeitiger Planung könnte die Begegnungsstätte im Pavillon Anfang 2027 eröffnet werden.
Foto: zir