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Donnerstag, 12. März 2026 Mediadaten wsr.tv
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Einbeck (awin). Die geplante Schließung der Bereitschaftspraxis in Einbeck hat in der Stadtratssitzung am 11. März eine intensive und teils emotionale Debatte ausgelöst. Im Mittelpunkt stand eine Resolution gegen die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Mit Dr. Degener, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Göttingen, stellte sich ein Vertreter der Organisation den Fragen, der Kritik und dem Unmut aus Politik, Verwaltung und Einbürgern.

Einführung in den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst

Zu Beginn erläuterte Dr. Degener anhand einer Präsentation die Struktur und Aufgaben des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes. Dieser greife immer dann, wenn Hausarztpraxen außerhalb der regulären Sprechzeiten geschlossen seien.

„Mit Beschwerden, mit denen sie normalerweise in die geöffnete Praxis zu ihrem Hausarzt gehen würden, gehen sie außerhalb der Sprechstundenzeiten zum Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Immer dann, wenn Arztpraxen nicht offen haben, ist der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Das gilt nicht für Notfälle, sondern nur hausärztliche Fälle.“

Der Bereitschaftsdienst funktioniere über mehrere Versorgungswege. Für mobile Patienten gebe es eine Bereitschaftspraxis, in der Ärzte vor Ort behandeln. Für nicht mobile Patienten stehe ein Fahrdienst bereit, der Hausbesuche durchführt. Ergänzend könne Telemedizin genutzt werden, bei der Ärzte Patienten per Telefon oder Video beraten und entscheiden, ob eine Behandlung auf diesem Weg ausreiche oder ein Hausbesuch notwendig sei.

Eine zentrale Rolle spiele dabei die bundesweite Rufnummer 116117. Dort werde zunächst ermittelt, welche Art der Versorgung notwendig sei und wohin sich Patienten wenden sollten.

Gründe für die Zusammenlegung der Praxen

Im Anschluss ging Dr. Degener auf die Gründe für die geplante Zusammenlegung der Bereitschaftspraxen in Einbeck und Northeim ein. Ein entscheidender Faktor sei die vergleichsweise geringe Entfernung zwischen beiden Standorten. Mit rund 20 Minuten Fahrzeit lägen die Praxen ungewöhnlich nah beieinander - außergewöhnlich für Niedersachsen.

Zudem sei die Auslastung der Praxen vergleichsweise gering. In Einbeck würden im Durchschnitt etwa zwei Patienten pro Stunde behandelt, in Northeim etwa zwei bis drei.

„Diese Kapazität führt dazu, dass ein Arzt, der das außerhalb seiner Sprechstunde macht, die ganze Woche arbeiten muss. Und am Wochenende sitzen sie in der Bereitschaftspraxis und machen die Zusatzdienste“, erklärte Degener.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte. 37,1 Prozent der Hausärzte in Niedersachsen seien bereits 60 Jahre oder älter. Gleichzeitig rückten zu wenige junge Ärzte nach, während viele eher eine Anstellung als eine eigene Praxis bevorzugten. Dadurch sinke langfristig die verfügbare ärztliche Leistung im System.

„Verpflichtende Bereitschaftsdienste halten Ärzte davon ab, sich niederzulassen. Da müssen wir gegensteuern“, so Dr. Degener.

Kritik an Kommunikation und Entscheidung

Die Ausführungen des KVN-Vertreters stießen im Rat auf deutliche Kritik. Als erster meldete sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Ebrecht zu Wort. Er warf der KVN vor allem eine mangelhafte Kommunikation im Vorfeld vor.

„Wir werden das so nicht hinnehmen. Einige ihrer Ausführungen sind nachvollziehbar, viele Zahlen allerdings schön gerechnet.“

Ebrecht bezweifelte zudem die angenommene Erreichbarkeit der Praxis in Northeim. Bewohner aus Orten wie Delligsen, Sievershausen oder Erzhausen würden deutlich länger als 20 oder 30 Minuten benötigen. Gleichzeitig fragte er, welche Möglichkeiten es gebe, medizinische Strukturen in Einbeck zu erhalten.

Dr. Degener räumte ein, dass die Kommunikation nicht optimal verlaufen sei. „Das hätten wir umfangreicher tun können“, sagte er.

Auch Bürgermeisterin Sabine Michalek äußerte deutliche Kritik. Sie verwies auf einen Brief mit konkreten Vorschlägen zum Erhalt der Praxis, auf den es bislang keine Rückmeldung gegeben habe.

„Wir müssen jetzt für unsere Bürgerinnen und Bürger Lösungen anbieten, die sie wahrnehmen ohne zugleich die stationären Einrichtungen, die dafür gar nicht zuständig sind, zu überfordern. Ich erwarte, dass wir das gemeinschaftlich auf den Weg bringen.“

Vorwurf wirtschaftlicher Motive

Kritische Worte kamen auch aus der Region. Gerhard Melching, Ratsherr der Stadt Dassel, warf der KVN vor, die Entscheidung allein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu treffen.

„Nein, das geht so nicht. Sie haben auch einen Sicherstellungsauftrag.“

Dr. Degener widersprach diesem Vorwurf und verwies erneut auf strukturelle Entwicklungen im Gesundheitssystem. Zwar liege der Versorgungsgrad mit Hausärzten in Einbeck aktuell bei rund 120 Prozent, gleichzeitig seien jedoch 76 Prozent der Ärzte älter als 60 Jahre.

„Wie lange werden wir diese guten Strukturen noch halten können? Wir wollen die ärztlichen Ressourcen schonen und für die Zukunft aufstellen.“

Als Gründe für die Wahl des Standorts Northeim nannte Degener unter anderem die höhere Patientenzahl, die Verkehrsanbindung über die B3 und die Autobahn sowie größere Praxisräume mit längeren Öffnungszeiten.

Politischer Widerstand bleibt bestehen

Im Verlauf der Sitzung entwickelte sich eine teils hitzige Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen aus dem Rat und bei der vorgezogenen Einwohnerfragestunde auch aus dem Publikum. Viele Beiträge kritisierten sowohl die Entscheidung selbst als auch deren Kommunikation und Umsetzung.

CDU-Fraktionschef Ebrecht kündigte an, die Stadt werde sich weiterhin gegen die Schließung einsetzen.

„Wir werden uns weiter wehren und darum kämpfen – um die ärztliche Struktur, um das Krankenhaus und all die Dinge.“

Gleichzeitig zeigte er sich offen für gemeinsame Lösungsansätze, etwa beim Ausbau von Telemedizin und der stärkeren Nutzung der Rufnummer 116117. Dr. Degener schlug in diesem Zusammenhang einen Bürgerdialog vor, um die Strukturen des Bereitschaftsdienstes stärker zu erklären.

Am Ende der Sitzung blieb vor allem eines deutlich: Die geplante Schließung der Bereitschaftspraxis stößt in Einbeck auf großen politischen Widerstand und dürfte die Diskussion über die medizinische Versorgung im ländlichen Raum weiter prägen.

Fotos: KVN/lbr

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