Landkreis Northeim (red). Vom 1. Januar bis 30. April dürfen Jäger in Niedersachsen Rebhühnern Futter anbieten. Ein Weizen-Angebot hält die Hühner vital und verhindert Verluste durch Auszehrung und Frost. Es senkt die Dauer der Futtersuche, mindert Prädation und lässt zusätzliche Vogelarten profitieren.
Das Rebhuhn ist der „Vogel des Jahres 2026“, doch in der modernen Agrarlandschaft gibt es für ihn kaum noch geeigneten Lebensraum. Allein im Landkreis Northeim fehlen 2000 Hektar Brachen und Blühflächen. „Besonders schwierig ist die Situation jetzt im Winter“, sagt Thomas Fuchs und erklärt: „Rebhühner sind Körnerfresser. Pro Tag fressen sie normalerweise 50 bis 80 Gramm Samen von Wildkräutern und Getreidekörnern. Um bei Nässe oder Frost nicht zu erfrieren, brauchen sie täglich 110 bis 155 Kilokalorien.“ Früher stammte diese Energie im Herbst und Winter zu bis zu 94 Prozent aus Ausfallweizen. Doch Stoppelfelder, auf denen das nahrhafte Getreide über den Winter liegen bleibt, gibt es kaum noch. Heute bleiben den Hühnern über die nasskalte Jahreszeit fast nur Rapsblätter zum Fressen.
Kalorienreiche Körner müssen her
„Hundert Gramm Rapsblätter enthalten etwa 37 Kilokalorien. Mit 80 Gramm Blattmasse nehmen Rebhühner zirka 30 Kilokalorien auf. Dies reicht kurzzeitig zum Existieren, aber nicht auf Dauer zum (Über-)Leben. Erst recht nicht bei Nässe oder Frost. Außerdem sind Blätter nicht mehr erreichbar, sobald Schnee liegt“, sagt Thomas Fuchs. Hundert Gramm Weizen hingegen enthalten 306 Kilokalorien. Eine Tagesmenge von 80 Gramm Weizen versorgt ein Huhn mit 244 Kilokalorien. Wo Rebhühner bei Bedarf energiereichen Weizen fressen können, bleiben sie vital und kräftig.
Kürzere Futtersuche und geringeres Prädationsrisiko
In Niedersachsens Jagdrevieren darf Rebhühnern generell vom 1. Januar bis zum 30. April Futter angeboten werden. Thomas Fuchs empfiehlt jedem Jäger, in dessen Revier die mittlerweile seltenen Rebhühner leben, diese wertvolle Möglichkeit zu nutzen. „Am besten platziert man pro Rebhuhn-Paar zwei bis drei Eimer mit Weizen und Futterspirale im offenen Gelände, genau dort, wo sich die Hühner aufhalten. Der Abstand zwischen den Fütterungen sollte 150 Meter betragen. Eine flache Steinplatte unter jeder Spirale sorgt dafür, dass sich keine nasse Kuhle bildet und der Weizen länger sauber bleibt.“
Zusätzlicher Pluspunkt des Futterangebots: Um aus Grünfutter ihren Energiebedarf zu decken, müssen Rebhühner täglich fünf Stunden picken und zum Teil auch vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang auf Nahrungssuche gehen. „Um den Bedarf aus Weizen zu decken, brauchen sie 15 Minuten. Je kürzer die Futtersuche, desto geringer die Gefahr, dass Hühner vom Habicht oder vom Fuchs gefressen werden“, hebt Thomas Fuchs hervor.
Gute Maßnahme, bis im Landkreis ausreichend Flächen vorhanden sind
Befürchtungen, dass ein Weizen-Angebot Rebhühner abhängig machen würde, haben sich in der Praxis nicht bestätigt. Vielmehr ist es so, dass die Hühner die Fütterungen deutlich differenzierter annehmen, als selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihnen dies zugetraut hatten. Bis im Landkreis Northeim ausreichend Brachen und Blühflächen vorhanden sind, ist die Zufütterung eine gute und wichtige Maßnahme.
Foto: Marna Lux