Salzderhelden (red). Es ist eine Erfolgsgeschichte, die nach Angaben der Beteiligten zeigt, was möglich ist, wenn Kommunalpolitik und ehrenamtliches Engagement Hand in Hand gehen. Auf Einladung des Fördervereins besuchte die Wählergemeinschaft „Bürgerliste Gemeinsam für Einbeck“ (BlGfE) das jüngst wiederaufgebaute Industriedenkmal der Saline Salzderhelden. Vor Ort machten sich die Mitglieder ein Bild von der musealen Wiederbelebung des Standorts – vier Jahre nach der verheerenden Brandstiftung im Jahr 2020.
Schwieriger Start nach dem Großbrand
Nachdem das historische Gebäude bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, drohte dem Projekt zunächst Stillstand. Beim Vor-Ort-Termin wurde an die schwierige Anfangsphase erinnert. Demnach lagen Versicherungsgelder zunächst ungenutzt bereit, während erste Entwürfe für den Wiederaufbau auf Kritik stießen. Zudem hätten der Stadt Einbeck als öffentlichem Träger langwierige europaweite Ausschreibungsverfahren gedroht.
Der Wendepunkt kam nach Angaben des Fördervereins durch eine politische Initiative und die enge Zusammenarbeit mit der Wählergemeinschaft. Nach vier Jahren intensiver Überzeugungsarbeit stimmte der Stadtrat einstimmig dafür, die Verantwortung für den Wiederaufbau auf den Förderverein zu übertragen. Dadurch entfielen die strengen öffentlichen Vergaberichtlinien, sodass lokale Handwerksbetriebe unkompliziert eingebunden und Kosten eingespart werden konnten.
Finanzierung durch Fördermittel und Eigenleistung
Insgesamt beliefen sich die Kosten des Wiederaufbaus auf rund 460.000 Euro. Neben Versicherungsmitteln der Stadt, darunter eine erste Tranche von 190.000 Euro, trugen Fördergelder der AKB-Stiftung und des Landkreises Northeim sowie zahlreiche private Spenden und umfangreiche Eigenleistungen zur Finanzierung bei.
Da das Gebäude durch den Brand seinen Denkmalschutzstatus verloren hatte, nutzte der Verein die Möglichkeit für bauliche Anpassungen. Eine Gebäudeseite wurde vergrößert und große Fenster sorgen nun für mehr Tageslicht. Der markante Bohrturm wurde hingegen originalgetreu mit einer Höhe von 18,3 Metern rekonstruiert. Diese Höhe hatte historisch einen praktischen Hintergrund: Die sechs Meter langen Förderrohre konnten in Dreierketten zur Reinigung herausgezogen werden, ohne die Verbindungen lösen zu müssen.
Museum und Treffpunkt für die Gemeinschaft
Die Besucher der Bürgerliste zeigten sich insbesondere von der neuen musealen Nutzung beeindruckt. Zwar musste sich der Verein verpflichten, keinen gewerblichen Betrieb mehr zu führen, um aus dem Bergrecht entlassen zu werden, doch für Tourismus und Dorfgemeinschaft sei die Saline heute attraktiver denn je.
Mit einer eigenen Zertifizierung wird im Bohrturm wieder traditionell Salz gesiedet. Die gereinigte Sole stammt aus dem benachbarten Sülbeck und wird für den Museumsbetrieb mit einer Pumpe aus rund 50 Metern Tiefe gefördert. Ein nachgebautes historisches Hamsterrad nach dem Vorbild der Burg Burghausen veranschaulicht zudem die körperlich schwere Arbeit vergangener Jahrhunderte.
Lob für ehrenamtliches Engagement
„Hier ist fast schon ein Denkmal für das Ehrenamt selbst entstanden“, erklärten Mitglieder der Bürgerliste während des Besuchs. Ob Gottesdienste, Reisegruppen oder Vereinsfeiern – der neue Bohrturm habe sich innerhalb kurzer Zeit wieder zu einem lebendigen Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt.
Nach Angaben des Vereins wäre dieser Erfolg ohne die Unterstützung lokaler Handwerksbetriebe und die aktive „Rentnertruppe“ des Fördervereins, die das Gelände regelmäßig pflegt, nicht möglich gewesen.
Der Nachmittag klang bei Grillgut und Kaltgetränken in geselliger Runde aus. Dabei nutzten Gastgeber und Gäste die Gelegenheit zum Austausch über zukünftige Projekte und Ideen.
Führungen für Interessierte möglich
Damit die Geschichte des Standorts für alle zugänglich bleibt, öffnet der Verein den Bohrturm auch für die Öffentlichkeit. Gruppen, Schulklassen und Einzelpersonen können das Industriedenkmal nach vorheriger Anmeldung besichtigen.
Kontakt und Anmeldung sind per E-Mail an









Fotos: red