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Freitag, 19. Juni 2026 Mediadaten wsr.tv
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Uslar (red). Das Albert-Schweitzer-Familienwerk Niedersachsen erweitert seine Maßnahmen zur Aufarbeitung früherer Gewaltvorfälle und schafft ein neues Hilfsangebot für Betroffene. Parallel zur bereits laufenden wissenschaftlichen Aufarbeitung durch das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München hat am 17. Juni 2026 eine unabhängige Unterstützungskommission ihre Arbeit aufgenommen.

Wissenschaftliche Aufarbeitung läuft weiter

Hintergrund sind Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt, die sich insbesondere in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren unter dem Dach des Albert-Schweitzer-Familienwerks ereignet haben. Nach internen Recherchen des Trägervereins sowie auf Grundlage von Berichten Betroffener wurden entsprechende Vorfälle aus dem Albert-Schweitzer-Therapeutikum Holzminden, dem Kinderdorf Alt Garge und dem Kinderdorf Uslar bekannt.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung durch das IPP untersucht diese Vorfälle sowie weitere Zeiträume und soll dazu beitragen, die Geschehnisse unabhängig aufzuarbeiten und daraus Erkenntnisse für die Zukunft abzuleiten.

„Viele Betroffene tragen die Folgen des erlebten Unrechts bis heute mit sich“, sagt Martin Kupper, Vorstandsvorsitzender des Albert-Schweitzer-Familienwerks Niedersachsen. „Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist wichtig, braucht aber Zeit. Mit der Unterstützungskommission wollen wir Betroffenen konkrete Hilfe im Hier und Jetzt ermöglichen.“

Vertrauliche Kontaktaufnahme möglich

Betroffene können sich über die neue Internetseite der Unterstützungskommission informieren und Kontakt aufnehmen. Die Kontaktaufnahme ist vertraulich und auf Wunsch auch anonym möglich. Unabhängige Lotsinnen und Lotsen stehen als erste Ansprechpersonen zur Verfügung. Sie informieren über das Verfahren, beantworten Fragen und unterstützen Betroffene bei Bedarf bei allen weiteren Schritten.

Das Angebot richtet sich an volljährige Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in einer Einrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerks sexualisierte, körperliche oder psychische Gewalt erfahren haben. Ziel ist es, individuelle Unterstützungsleistungen zu ermöglichen, die sich an der persönlichen Lebenssituation der Betroffenen orientieren. Dazu können beispielsweise therapeutische Maßnahmen, Bildungsangebote oder andere unterstützende Leistungen gehören.

Niedrigschwelliges Verfahren vorgesehen

Das Verfahren ist bewusst niedrigschwellig angelegt. Betroffene sollen Unterstützung erhalten können, ohne ihre Erfahrungen umfassend belegen zu müssen. Grundlage ist eine Plausibilitätsprüfung der geschilderten Erfahrungen.

Über die Unterstützungsleistungen entscheidet eine unabhängige Kommission, deren Mitglieder nicht dem Albert-Schweitzer-Familienwerk angehören. Ihr gehören Judith Bernhard-Heenen, Rechtsanwältin und Mediatorin, als Vorsitzende, Angela Marquardt, Mitglied im Betroffenenrat der Bundesregierung bei der UBSKM, sowie Ingo Fock vom Verein gegen Missbrauch e. V. aus Göttingen an.

Verantwortung übernehmen und Unterstützung leisten

„Wir wissen, dass wir das erlittene Leid nicht ungeschehen machen können“, sagt Kupper. „Aber wir können Verantwortung übernehmen, zuhören, Anerkennung ausdrücken und dort Unterstützung ermöglichen, wo sie gebraucht wird. Die Unterstützungskommission ist ein weiterer wichtiger Schritt auf unserem Weg der Aufarbeitung.“

Weitere Informationen zur Unterstützungskommission, zu den Kontaktmöglichkeiten sowie zu den unabhängigen Lotsinnen und Lotsen gibt es unter kommission.familienwerk.de.

Der Postweg lautet: Unterstützungskommission, c/o Rechtsanwältin Judith Bernhard-Heenen, „Briener Strasse 9-13“, 47533 Kleve.

Das Sekretariat der Unterstützungskommission ist per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erreichbar.

Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.

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