Einbeck (red). Die Einbecker Brauhaus AG hat ein schwieriges Geschäftsjahr genutzt, um die Grundlagen für ihre Zukunft zu schaffen. Auf der Hauptversammlung am 12. Juni vor 585 Aktionärinnen und Aktionären stellte Vorstand Marc Kerger die Ergebnisse der umfassenden Restrukturierung sowie die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens vor. Während Bier mit den Marken Einbecker und Nörten-Hardenberger weiterhin das Herzstück des Geschäfts bleibt, baut das Traditionsunternehmen gezielt neue Geschäftsfelder im Bereich alkoholfreier und innovativer Getränke auf. Die ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres verlaufen nach Unternehmensangaben besser als geplant und bestätigen den eingeschlagenen Kurs.
Die Einbecker Brauhaus AG hat auf ihrer 60. Hauptversammlung den Kurs der Neuausrichtung bekräftigt. Vor 585 Aktionärinnen und Aktionären stellte Vorstand Marc Kerger die Entwicklung des vergangenen Geschäftsjahres sowie die Perspektiven für die kommenden Jahre vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich eine traditionsreiche Brauerei in einem schrumpfenden Biermarkt zukunftsfähig aufstellen kann.
Bier bleibt das Herzstück
Die Antwort des Unternehmens ist klar: Bier bleibt das Herzstück der Einbecker Brauhaus AG. Gleichzeitig erweitert das Brauhaus sein Geschäft gezielt um alkoholfreie Getränke, innovative Getränkekonzepte und neue Wachstumskategorien.
„Wir lieben unsere Biere und sie werden immer unser Herzstück bleiben. Aber die Konsumgewohnheiten verändern sich. Deshalb müssen wir uns weiterentwickeln und neue Geschäftsfelder erschließen“, erklärte Vorstand Marc Kerger vor den Aktionären. Die Einbecker Brauhaus AG entwickle sich Schritt für Schritt von einer klassischen Brauerei zu einem breiter aufgestellten Getränkehersteller – mit Bier als unverändertem Kern des Unternehmens.
Das Geschäftsjahr 2025 stand erneut unter dem Eindruck eines rückläufigen Biermarktes. Deutschlandweit sank der Bierabsatz um rund sechs Prozent. Gleichzeitig setzt sich die Konsolidierung der Branche fort. Zahlreiche Brauereien kämpfen mit sinkenden Absatzmengen, steigenden Kosten und verändertem Konsumverhalten. Auch große Marktteilnehmer kündigten Werksschließungen und umfassende Sparprogramme an.
Restrukturierung zeigt erste Wirkungen
Vor diesem Hintergrund erzielte die Einbecker Brauhaus AG einen Umsatz von 33,9 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr schloss mit einem Jahresfehlbetrag von 1,72 Millionen Euro ab. Darin enthalten sind umfangreiche Aufwendungen für Restrukturierungs- und Transformationsmaßnahmen, mit denen das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern will.
„Für mich persönlich war dieses Jahr das mit Abstand herausforderndste meiner Laufbahn“, kommentiert Kerger. „Für meine Mitarbeitenden ein sehr schweres und belastendes Jahr. Die Zahlen spiegeln die Realität des Marktes wider. Gleichzeitig haben wir die notwendigen Entscheidungen getroffen, um das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen. Dieser Umbau war unvermeidbar und er zeigt bereits erste Wirkungen“, sagte Kerger.
Im vergangenen Jahr hat die Einbecker Brauhaus AG ihre Strukturen konsequent an die veränderten Marktbedingungen angepasst. Prozesse wurden neu organisiert, Kosten reduziert und die Personalstruktur schrittweise angepasst.
Die Zahl der Beschäftigten wurde reduziert, überwiegend über natürliche Fluktuation, auslaufende Verträge und einvernehmliche Lösungen. Parallel dazu wurden wichtige Führungspositionen neu besetzt. Mit Thorsten Husmann als Sales Director und Andrej März als kaufmännischem Leiter wurden zentrale Weichen für die weitere Entwicklung gestellt. Trotz der Belastungen durch den Umbau bleibt die finanzielle Situation stabil. Die Liquidität des Unternehmens war und ist jederzeit gesichert.
Neue Produkte und neue Märkte
Auch künftig werden die Marken Einbecker und Nörten-Hardenberger das Fundament des Unternehmens bilden. Gleichzeitig reagiert das Brauhaus auf die Veränderungen im Getränkemarkt.
Während klassische Biersegmente vielerorts rückläufig sind, wachsen alkoholfreie und funktionale Getränke sowie leichtere Bierstile. Genau in diesen Bereichen will Einbecker künftig stärker wachsen.
Dazu gehört der weitere Ausbau des alkoholfreien Sortiments mit Produkten wie Einbecker Lager 0,0 Prozent, Brauherren Pils Alkoholfrei, Null Bock sowie dem neuen alkoholfreien EIN Pale Ale. Hinzu kommen neue alkoholfreie Biermischgetränke sowie innovative Produktkonzepte.
Ein wichtiger Baustein ist die neue Marke Headbanger, die gemeinsam mit Radio BOB! entwickelt wurde. Mit ihr baut das Unternehmen erstmals eine national ausgerichtete Biermarke auf. Bereits in den ersten Monaten wurden rund 1.500 Hektoliter abgesetzt. Höhepunkt der Markteinführung wird das Headbanger Festival am 22. August sein.
Darüber hinaus erschließt die Einbecker Brauhaus AG gezielt sogenannte Beyond-Beer-Kategorien. Dazu zählen die Hanse-Brause-Produktfamilie, der Vertrieb der neuen Weinschorlen-Marke „erwyn“, das Bier-Mate-Getränk „Beer Mate“ sowie die geplanten Functional-Drink-Marken „Hoppy“ und „Solum“, mit denen das Unternehmen neue Trend-Getränkekategorien erschließen will.

Optimistischer Blick nach vorn
„Wir verlassen das Bier nicht. Aber wir ergänzen unser Portfolio um Produkte, die zu den Konsumenten von morgen passen. So schaffen wir neue Absatzmöglichkeiten und reduzieren gleichzeitig unsere Abhängigkeit von einem schrumpfenden Markt“, erläuterte Kerger.
Die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr verläuft bislang besser als erwartet. Nach Angaben des Vorstands liegen Absatz, Umsatz und Rohertrag in den ersten fünf Monaten über den konservativ geplanten Werten. Besonders positiv entwickeln sich die Marken Nörten-Hardenberger, Einbecker Brauherren Pils, Einbecker Lager 0,0 Prozent und Einbecker Brauherren Pils Alkoholfrei. Für das Jahr 2026 erwartet das Unternehmen weiterhin einen Fehlbetrag im mittleren sechsstelligen Bereich. Bereits 2027 soll jedoch wieder ein positives Jahresergebnis erreicht werden.
Im Rahmen der Hauptversammlung wurde zudem Robert Depner verabschiedet, der dem Aufsichtsrat seit 29 Jahren angehörte und ihn seit 2004 als Vorsitzender prägte. Vorstand Marc Kerger würdigte dessen langjähriges Engagement für das Unternehmen.
Als neues Mitglied des Aufsichtsrats wurde Michael Bartholl gewählt. Der Diplom-Betriebswirt verfügt über mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in der Getränkeindustrie, unter anderem als Vorsitzender der Zentralgeschäftsführung der Franken-Brunnen-Unternehmensgruppe, und soll die weitere Entwicklung des Unternehmens begleiten. Jürgen Brinkmann, Kai-F. Binder und Gerhard Mertes wurden in ihren Mandaten bestätigt. Hinzu kommen die beiden neuen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Thomas Buschbeck und Jannick Will.
„Wir haben die Grundlage geschaffen, um die Zukunft des Unternehmens aktiv zu gestalten. Bier bleibt unser Herzstück. Gleichzeitig entwickeln wir Einbecker zu einem modernen Getränkeunternehmen weiter. Genau darin sehen wir die Chance für nachhaltiges Wachstum“, sagte Kerger.

Fotos: Florian Spieker