Dassel (awin). Ein Schlüssel, ein Abschied und ein Geburtstag: Die Paul-Gerhardt-Schule in Dassel hat am Dienstag ihr 80-jähriges Bestehen gefeiert und zugleich Schulleiter Matthias Kleiner verabschiedet. Er geht in den Ruhestand. Für die Schule war es damit nicht nur ein Jubiläumstag, sondern auch ein Moment, in dem spürbar wurde, dass ein Kapitel endet und ein neues beginnt.
Begonnen hatte die Feier bei bestem Wetter mit einem Festgottesdienst im Park. Nahezu die gesamte Schülerschaft war dabei, als Kleiner offiziell entpflichtet wurde. Nach dem Mittagbuffet verlagerte sich die Feier in die „Paula“, wo rund 120 geladene Gäste zum Festakt zusammenkamen. Unter ihnen waren Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Gerd Brinkmann, Leiter des Evangelischen Schulwerkes, Regionalbischof Dr. Claas Cordemann, Superintendentin Stephanie von Lingen, Guido Stolle vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Braunschweig sowie Dassels Bürgermeister Sven Wolter.
Ein musikalischer Auftakt mit 40 Kindern
Den Auftakt im Saal übernahm der Projektchor „Adiemus“. Rund 40 Kinder standen auf der Bühne und eröffneten den Festakt mit zwei Musikstücken. Unter der Leitung von Prof. Friedhelm Flamme sowie begleitet von Tobias Kühn am Cello, Julius Rechner am Klavier und Anke Wurmstädt an der Sopranflöte entstand ein feierlicher Einstieg, der zugleich zeigte, dass die Schulgemeinschaft an diesem Tag selbst eine wichtige Rolle spielte. Der Applaus im Anschluss war entsprechend groß.
Anschließend begrüßten Kathrin Muhs-Braun, stellvertretende Schulleiterin, Elternvertreter Jan Evers, Harald Janetzke vom Ehemaligenverein und Schülersprecher Narin Ledermann die Gäste. Sie wählten dafür keine klassischen Einzelreden, sondern einen inszenierten Dialog. Dabei ging es um Erinnerungen an die Paul-Gerhardt-Schule, um ihre Geschichte und um das, was viele mit diesem Ort verbinden.
Jan Evers sprach von „tollen Geschichten, Anekdoten, Erinnerungen und vergessenen Mathe-Stunden“. Für Harald Janetzke ist die Schule mit dem angrenzenden Internat bis heute ein „lebendiger Erinnerungsort“. Zugleich wurde deutlich, dass die PGS nicht allein durch ihre Gebäude oder ihr Alter geprägt wird. Im Mittelpunkt standen immer wieder diejenigen, die die Schule über Jahrzehnte getragen haben: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Mitarbeitende und Ehemalige.
Von schwierigen Anfängen zur festen Größe in der Region
Ein Kurzfilm von Felix Lindner, der in gekürzter Fassung gezeigt wurde, führte anschließend durch die Geschichte der Schule. Dabei wurden auch die schwierigen Anfänge nicht ausgespart. Das damalige Ministerium habe zunächst kein Interesse daran gehabt, die Schule finanziell zu unterstützen. Besonders hängen blieb die im Film aufgegriffene Bezeichnung der PGS als „Privatklitsche“. Acht Jahrzehnte später steht in Dassel ein Gymnasium, das fest in der Region verankert ist.
Zum Jubiläum wurde ein Blumengesteck mit kleinen Schiefertäfelchen überreicht, auf denen Wünsche festgehalten waren. Der Ehemaligenverein übergab zudem einen Scheck über 1.000 Euro und machte damit seine Verbundenheit mit der Schule deutlich. Auch Matthias Kleiner wurde für seine sechsjährige Amtszeit gewürdigt. Jan Evers brachte den Dank der Schulgemeinschaft mit einem Satz auf den Punkt: „Herr Kleiner hat die Schule mit Ruhe, Herz und Verlässlichkeit geprägt.“
Dank für sechs Jahre Schulleitung
Gerd Brinkmann, Leiter des Evangelischen Schulwerkes, nahm in seiner Festrede die Entwicklung der Paul-Gerhardt-Schule in den Blick. Er erinnerte an den Gründergeist der Schule und beschrieb ihre Entwicklung als Erfolgsgeschichte. Die PGS habe sich zu einem modernen Gymnasium entwickelt und dabei ihr christliches Fundament bewahrt. Matthias Kleiner bezeichnete Brinkmann als „ein Kind des freien Schulwesens“. Schon im Bewerbungsgespräch habe Kleiner überzeugt, erinnerte er. Sein Dank mündete in die Worte: „Vielen Dank für Ihr segensreiches Wirken!“
Auch in den weiteren Grußworten wurde deutlich, welchen Stellenwert die Schule in Dassel und darüber hinaus hat – und wie sehr der Abschied von Kleiner diesen Festakt prägte. Superintendentin Stephanie von Lingen richtete den Blick besonders auf dessen beruflichen Weg. Er habe in seinem Berufsleben „viele junge Menschen begleitet und geprägt“, sagte sie. Guido Stolle vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Braunschweig hob hervor, Kleiner habe „echtes Interesse an Menschen“.
Eine besonders persönliche Verbindung brachte Bürgermeister Sven Wolter mit. Er überbrachte die Glückwünsche von Stadt und Verwaltung, sprach aber auch als ehemaliger Schüler. Vor 15 Jahren hatte Wolter selbst an der Paul-Gerhardt-Schule sein Abitur gemacht. Die PGS nannte er einen Leuchtturm, der weit über Dassel hinaus strahle.
Als Matthias Kleiner am Ende selbst ans Rednerpult trat, wurde der Festakt noch einmal persönlich. In seiner Rede, angelehnt an Worte des Namensgebers Paul Gerhardt, blickte er dankbar auf seine Zeit an der Schule zurück. Dann wurde aus vielen Worten ein schlichtes Bild: Kleiner übergab den Schlüssel an die designierte Schulleiterin Wibke Gatsios. Damit war der Abschied zugleich eine Übergabe.
So blieb von diesem Festakt nicht nur die Erinnerung an ein 80-jähriges Schuljubiläum. Die Paul-Gerhardt-Schule zeigte, wie viel Geschichte in diesem Ort steckt und wie viele Menschen sich mit ihm verbunden fühlen. Für Matthias Kleiner endete der Tag mit Dank, Applaus und einem Abschied, der bewusst nicht nur zurückblickte.








Fotos: awin