Dassel (red). Heiße und trockene Phasen treten langfristig immer häufiger auf und setzen Wildtieren zunehmend zu. Einfache Maßnahmen können ihnen kurz- und mittelfristig das Überleben erleichtern.
Die Hitzewelle hat Deutschland im Griff. Vielerorts gibt es amtliche Hitzewarnungen und in den kommenden Tagen könnten die Temperaturen sogar noch weiter steigen. Das setzt nicht nur Menschen zu, sondern auch Tieren. Sind Wiesen ausgedörrt und fehlt die morgendliche Taubildung auf Gräsern und Blättern, leiden vor allem Tiere, die ihren Flüssigkeitsbedarf üblicherweise über Pflanzen decken, wie Rehe oder Rebhühner.
„Als ursprüngliche Steppenvögel benötigen Rebhühner bei normalen Temperaturen kein zusätzliches Wasser. Wer sie bei der aktuellen Hitze im Revier unterstützen möchte, kann Wasser aus sogenannten Hegestationen anbieten. Diese können aus Kunststoffrohren leicht selbst gebaut und am Rand von Hecken oder Gebüschen montiert werden“, sagt Rebhuhn-Experte Thomas Fuchs aus Dassel.

Wasserstellen helfen vielen Tierarten
Das Wasser sollte alle zehn Tage ausgetauscht und die Tränke gereinigt werden. Sinnvoll sei es außerdem, wenn Waldeigentümer, Forstgenossenschaften und Jagdpächter mittelfristig mehr Weichlaubholz an Waldrändern etablieren würden. „Deren saftige Blätter und Triebe sind für Wildwiederkäuer eine ideale Nahrung und mindern Schäden an wertvolleren Forstbäumen“, erläutert der Waldbesitzer.
In vielen Gemarkungen fehlt Wasser großflächig. Wo Drainagen Regenwasser unterirdisch ableiten, gelangen Bienen, Insekten, Vögel und Säugetiere nicht an die lebenswichtige Ressource. Sie benötigen Wasser zum Trinken, Baden, Kühlen oder für den Nestbau.

Wer jetzt zumindest Suhlen feucht hält, hilft nicht nur Wildtieren, die sich zum Schutz vor Parasiten gerne im Schlamm suhlen.
Himmelsteiche und Rücksicht im Wald
Grundeigentümer und Landwirte können Wildtieren langfristig helfen, indem sie in der Feldflur sogenannte Himmelsteiche anlegen. Dabei handelt es sich um Stillgewässer, die sich durch Niederschläge und Grundwasser speisen.

An ihnen sammeln sich Vögel, Schmetterlinge und Libellen. Rund zwei Dutzend Himmelsteiche mit einer Fläche von jeweils rund 300 Quadratmetern wurden im Landkreis Northeim in den vergangenen zwei Jahren bereits neu angelegt. Sie fördern eine artenreiche Tierwelt.
Neben Wasser fehlt es Wildtieren bei Trockenheit häufig auch an Ruhe. Wiederkäuer wie Rotwild und Rehe bewegen sich bei Nahrungs- und Wassermangel möglichst wenig, weichen Menschen jedoch aus. Stress belastet und schwächt die Tiere zusätzlich und sollte bei hohen Temperaturen vermieden werden. Spaziergänger, Radfahrer und Reiter sollten daher auf den Wegen bleiben. Besonders in der Dämmerung vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang sollte der Wald den Wildtieren gehören.
Fotos: Ronald Mnich, Thomas Fuchs