Moringen (gs). Unter dem Motto „Moringen bleibt wach“ sind am Freitag zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in Moringen auf die Straße gegangen, um ein Zeichen für ein demokratisches Miteinander, Freiheit und Vielfalt zu setzen. Anlass für den Gegenprotest war der Kreisparteitag der AfD Northeim in der Moringer Stadthalle, die nur wenige Meter von der KZ-Gedenkstätte Moringen entfernt liegt.
Bereits am Vorabend Mahnwache der „Omas gegen Rechts“
Bereits am Abend des Donnerstags fand anlässlich des AfD-Kreisparteitages eine Mahnwache der Initiative „Omas gegen Rechts“ in der „Gartenstraße“ statt. Diese verlief nach Angaben der Polizei friedlich und störungsfrei.
„Um kurz nach Mitternacht wurden mehrere auf die Fahrbahn in der Northeimer Straße aufgebrachte Schriftzüge festgestellt. Hierbei handelte es sich um Parolen mit beleidigendem Inhalt zum Nachteil der AfD. Eine Absuche im Nahbereich nach möglichen Verursachern verlief ohne Erfolg“, teilte die Polizei mit.
Rund 600 Menschen beteiligen sich an Demonstrationen
Am Freitag, 19. Juni 2026, beteiligten sich nach Angaben der Polizei etwa 600 Menschen an zwei Demonstrationen gegen den in der Stadthalle Moringen stattfindenden AfD-Kreisparteitag.
Ab 13 Uhr fand unter dem Motto „Fest der Begegnung für Demokratie, Vielfalt und Erinnerung“ eine Veranstaltung in der „Langen Straße“ bis in den Einmündungsbereich der „Gartenstraße“ und der Straße „Zum Holzplatz“ statt. Daran beteiligten sich mehrere zivilgesellschaftliche Bündnisse.
Der Demonstrationszug bewegte sich friedlich durch die von Fachwerkhäusern gesäumte Moringer Innenstadt. Begleitet von einem sichtbaren, aber im Hintergrund bleibenden Polizeiaufgebot zog die Menge mit bunten Fahnen, Regenbogen- und Friedenssymbolen durch die Straßen.
Auf Transparenten und Schildern machten die Teilnehmenden ihre Haltung deutlich. Slogans wie „WIR für VIELFALT“ und „GEGEN Ausgrenzung“ prägten das Bild. Auch die Initiative „OMAS GEGEN RECHTS“ war mit einem eigenen Banner und ihren markanten weißen Warnwesten vertreten.
Engagement von Jugendlichen und Kulturprogramm
Ein besonderer Fokus lag auf dem Engagement der jüngeren Generation. Schülerinnen und Schüler des Religions-Leistungskurses des 13. Jahrgangs der KGS Moringen beteiligten sich mit einer Plakatwand, auf der Passantinnen und Passanten rote Karten gegen Intoleranz, Diskriminierung und Rechtsextremismus hinterlassen konnten.
Auf einem großen Banner erinnerten sie zudem mit einem Zitat an die Unantastbarkeit der Menschenwürde.
Auf einer mobilen Bühne sorgte ein Kulturprogramm für den passenden Rahmen. Ein Dudelsackspieler begleitete die Kundgebung musikalisch.
Nach Angaben der Polizei wurde die Versammlung zeitweise von Streamern über YouTube begleitet. „Hierbei kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem der Streamer und einer Versammlungsteilnehmerin“, teilte die Polizei mit.
Demonstrationszug zur KZ-Gedenkstätte
Ab 16 Uhr fand zudem eine zweite Versammlung mit etwa 400 Teilnehmenden in Form eines Aufzuges von der Amtsfreiheit bis zur KZ-Gedenkstätte Moringen statt. Etwa eine Stunde später erreichte der Aufzug seinen Endpunkt und schloss sich dem Fest der Begegnung an.
Initiiert und unterstützt wurde das Bündnis unter anderem von der Stadt Moringen und der KZ-Gedenkstätte Moringen. Das zentrale Banner der Initiative trug die Aufschrift: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“
Dass eine Partei ihren Kreisparteitag in direkter Nachbarschaft zu einem Ort historischer Verbrechen abhält, empfanden viele Teilnehmende als Provokation.
Als ehemaliger Standort von drei Konzentrationslagern – Männer-, Frauen- und Jugendkonzentrationslager – in den Jahren 1933 bis 1945 mahnt das historische Torhaus bis heute, wohin Ausgrenzung und der Verlust demokratischer Werte führen können.
Die Ausstellung in den Räumen der Gedenkstätte zeigt anhand von Dokumenten und Biografien die Schicksale der Häftlinge und unterstreicht die Bedeutung des Engagements gegen das Vergessen und für eine wachsame Zivilgesellschaft.
Polizei zieht positive Bilanz
„Um kurz nach 21 Uhr wurden die beiden angemeldeten Veranstaltungen durch die jeweiligen Leiter als beendet erklärt. Dank des kooperativen Verhaltens aller Beteiligten zog Polizeidirektorin Vieth, Leiterin Einsatz der Polizeiinspektion Northeim, eine rundum positive Bilanz des Einsatzgeschehens.
Fotos: Gerd Stahnke