Amelsen (gs). Sie fallen im Dorfbild sofort auf: Katzen, deren Fell wie ein Flickenteppich aus weißen, schwarzen und roten Flecken leuchtet. Im Dasseler Ortsteil Amelsen gibt es derzeit gleich doppelten Grund zur Freude, denn dort sind gleich zwei Exemplare dieser besonderen „Glückskatzen“ unterwegs. Auf aktuellen Schnappschüssen aus dem Dorf zeigt sich eine der Samtpfoten von ihrer fotogensten Seite – mit einer markanten, fast perfekt aufgeteilten Gesichtszeichnung und weißen „Söckchen“. Doch was steckt hinter dem Mythos dieser dreifarbigen Tiere, die im englischsprachigen Raum als „Calico Cats“ bekannt sind? Ein Blick auf die Genetik verrät, dass jede von ihnen ein echtes, biologisches Unikat ist.
Eine Frage der Chromosomen
Dass Glückskatzen fast ausschließlich weiblich sind, liegt an ihrer Genetik. Die Erbanlagen für die Fellfarben Schwarz und Rot sind fest an das X-Chromosom gebunden. Die weiße Grundfarbe (Scheckung) hingegen wird unabhängig vom Geschlecht vererbt.
Weibliche Katzen besitzen zwei X-Chromosomen (XX). Erbt ein Kätzchen von einem Elternteil das Gen für schwarzes Fell und vom anderen das Gen für rotes Fell, trägt es die Anlage für beide Farben in sich. Bei männlichen Katzen (XY) ist das anders: Da sie nur ein X-Chromosom besitzen, können sie genetisch entweder nur Rot oder nur Schwarz tragen, aber nicht beides.
Ein genetisches Mosaik aus Amelsen
Dass das Fell am Ende nicht gleichmäßig braun, sondern so charakteristisch gefleckt ist wie bei den beiden Amelser Dorfkatzen, verdanken die Tiere einer Laune der Natur: der sogenannten X-Inaktivierung. In einem sehr frühen embryonalen Stadium schaltet jede einzelne Zelle des Katzenbabys zufällig eines der beiden X-Chromosomen ab.
Daraus entsteht ein faszinierendes Mosaik: Aus Zellen, bei denen das „rote“ Chromosom aktiv bleibt, bilden sich später rote Fellbereiche; wo das „schwarze“ aktiv bleibt, entstehen schwarze Flecken. Da dieser Prozess bei jedem Embryo völlig willkürlich verläuft, gleicht kein Fleckenmuster dem anderen. Jede Glückskatze ist ein absolutes Unikat.
Die große Ausnahme: Wann gibt es männliche Glückskatzen ?
Es gibt jedoch eine biologische Ausnahme, die allerdings extrem selten ist: Schätzungsweise nur eins von 3.000 dreifarbigen Tieren ist ein Kater. Dies passiert durch eine Genmutation, das sogenannte Klinefelter-Syndrom. Dabei wird der Kater mit einem extra X-Chromosom (XXY) geboren. Durch das doppelte X-Chromosom kann auch bei ihm die Fleckenbildung einsetzen – diese besonderen Kater sind in der Regel jedoch unfruchtbar.
Keine eigene Rasse, aber stark im Charakter
Entgegen einem weitverbreiteten Glauben sind Glückskatzen keine eigenständige Katzenrasse. Das Muster kommt bei vielen Rassen vor – von der klassischen Europäischen Kurzhaar über die Britisch Kurzhaar bis hin zur Maine Coon. Wissenschaftlich lässt sich zwar kein typischer „Glückskatzen-Charakter“ nachweisen, doch viele Halter beschreiben ihre tricoloren Mitbewohner als besonders lebhaft, charakterstark und menschenbezogen. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 12 bis 18 Jahren sind sie langjährige Begleiter.

Fotos : Gerd Stahnke / Dietrich Henne