Amelsen (gs). Wer heute durch die Straßen von Amelsen spaziert, braucht einen Blick für die kleinen Details am Wegesrand. Dort, wo früher Taschengeld in bunte Kaugummikugeln oder klebriges Spielzeug investiert wurde, finden sich heute nur noch die „Skelette“ einer vergangenen Ära. Zwei aktuelle Funde im Ort zeigen eindrucksvoll, wie sehr die Zeit an den einstigen Magneten für Kinderhände nagt.
Zwischen Efeu und Backstein
Ein besonderes Exemplar lässt sich in einer Hecke entdecken. Dort hat der Efeu den Kampf gegen das Metall nahezu gewonnen: Ein leeres rotes Gehäuse ist tief in das Grün eingewachsen und wirkt inzwischen wie ein kleines Naturdenkmal. Von der Mechanik und den Glasbehältern fehlt jede Spur – geblieben ist lediglich die rostige Hülle, die Wind und Wetter trotzt.
Einige Straßenzüge weiter zeigt sich ein anderes Bild: Direkt neben einem modernen grauen Stromkasten prangt an einer Backsteinwand das Gehäuse eines großen Dreifach-Automaten. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Hier die funktionale Technik von heute, dort das blau-weiße Metallgerippe von gestern, das einst für wenige Groschen kleine Wünsche erfüllte.
Stumme Zeugen vergangener Zeiten
Früher galten diese Automaten als die kleinsten Warenhäuser der Welt und waren fester Bestandteil der Dorfkultur. Heute sind sie aus dem Straßenbild nahezu verschwunden. In Amelsen scheinen sie jedoch als stille Zeugen einer anderen Zeit zu überdauern.
Ob als bewusste Erinnerung an die eigene Kindheit oder schlicht deshalb, weil sie so fest mit dem Mauerwerk verbunden sind, dass sie jedem Abriss trotzen – die alten Automaten gehören vielerorts noch immer zum Dorfbild dazu.
Diese kleinen „Lost Places“ erzählen Geschichten aus einer Zeit, in der das Ratschen des Drehgriffs zu den Höhepunkten eines Nachmittags gehörte. In Amelsen bleiben diese Erinnerungen lebendig – man muss nur genau hinsehen, bevor die Natur sie endgültig unter sich begräbt.

Fotos: Gerd Stahnke