Einbeck (red). In lockerer und zugleich engagierter Atmosphäre hat kürzlich die diesjährige Hauptversammlung der Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger der Stadt Einbeck im Landhaus Greene stattgefunden. Geleitet wurde das Treffen von Marco Strohmeier, Beauftragter für Ortsheimatpflege der Stadt Einbeck, der zahlreiche Gäste begrüßen konnte.
Besonders willkommen geheißen wurden Christian Riemenschneider vom Stadtarchiv, die Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Imke Weichert, sowie Willi Hoppe, der über viele Jahre hinweg die Ortsheimatpflege geprägt hat. Auch neue Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger nahmen erstmals an der Versammlung teil. „Es ist schön, dass es Menschen gibt, die sich mit Engagement und Herzblut für ihre Ortschaft einsetzen, das kulturelle Erbe bewahren und das gemeinschaftliche Leben lebendig halten“, betonte Strohmeier zu Beginn.
Rückblick auf ein bewegtes Jahr
In seinem Rückblick erinnerte Strohmeier an die Versammlung im April 2025, bei der Willi Hoppe nach fast 25 Jahren seinen Rückzug angekündigt hatte. Strohmeier übernahm das Amt im Anschluss und konnte bereits früh erste Akzente setzen. So unterstützte er das Stadtmuseum bei der Ausstellung „Einkaufsgeschichten aus Einbeck und den Dörfern“ und knüpfte hierfür wichtige Kontakte.
Ein zentrales Anliegen seiner Arbeit ist die stärkere Sichtbarkeit der Ortsheimatpflege. Dazu gehört nicht nur die öffentliche Darstellung der Tätigkeit, sondern auch die bessere Einbindung der Ortschaften in die Gesamtgeschichte Einbecks. „Nicht nur die Stadt selbst, sondern auch ihre Dörfer haben eine spannende und vielfältige Geschichte“, so Strohmeier.
Ein wichtiger Schritt war die Veröffentlichung einer Übersicht aller Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger auf der Internetseite der Stadt Einbeck. Bereits kurz nach der Freischaltung gingen erste Anfragen zur Orts- und Familienforschung ein – ein deutliches Zeichen für das vorhandene Interesse.
Trotz personeller Veränderungen, insbesondere im Stadtmuseum, konnte die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen schnell neu geordnet werden. Gemeinsam mit Dr. Imke Weichert vom Stadtmuseum sowie Susanne Gerdes und Christian Riemenschneider vom Stadtarchiv wurde die Arbeit weiterentwickelt. Erste Ergebnisse sind bereits im Stadtmuseum sichtbar: Eine Präsentationswand und der neue Ausstellungsteil „Treffpunkt Milchbock“ stellen die Ortschaften kurz vor.
Neue Mitstreitende und noch offene Lücken
Erfreulich ist, dass für zahlreiche Ortschaften neue Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger gewonnen werden konnten. Dazu zählen Avendshausen, Bruchhof, Buensen, Erzhausen, Hallensen, Holtensen, Hullersen, Iber, Ritterode, Salzderhelden, Vogelbeck und Wenzen. Drei Ortschaften – Edemissen, Negenborn und Volksen – sind derzeit noch unbesetzt.
Strohmeier machte deutlich, dass für dieses Ehrenamt keine wissenschaftliche Ausbildung erforderlich ist: „Wichtig ist, dass überhaupt gesammelt wird – sei es aus der Vergangenheit oder aus der Gegenwart. Jeder kann hier seinen eigenen Schwerpunkt setzen.“
Erinnerung und Ausblick
Betroffen erinnerte die Versammlung an den kürzlich verstorbenen Ortsheimatpfleger Walter Hahn aus Avendshausen, der sich insbesondere mit seiner Dorfchronik große Verdienste erworben hat.
Für das kommende Jahr formulierte Strohmeier mehrere Ziele: Die Sichtbarkeit und Bedeutung der Ortsheimatpflege sollen weiter gesteigert werden – etwa durch Hinweise in Online-Enzyklopädien, eine stärkere Präsenz im Stadtmuseum sowie die Wiederaufnahme der Ausstellung von Bestallungsurkunden. Auch gemeinsame Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten in den Ortschaften sowie eine intensivere Einbindung der Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger in touristische Konzepte sind für die Zukunft angedacht.
Ein weiteres Anliegen ist der bewusste Umgang mit Ortsnamen. Diese würden im Alltag zunehmend verschwinden, was langfristig die Zuordnung historischer Dokumente erschwere. Strohmeier appellierte daher, Ortsbezeichnungen konsequent weiterzuführen.
Zudem rückte das Thema Künstliche Intelligenz in den Fokus. Gemeinsam mit Willi Hoppe stellte Strohmeier praktische Beispiele vor, wie historische Bilder verbessert und alte Texte entziffert werden können. Hier sieht er großes Potenzial für die zukünftige Arbeit.
Beiträge aus Praxis und Institutionen
Im weiteren Verlauf berichtete Dennis Roggenkämper über ein neues Buch zur Geschichte Hullersens, das ab Mai erhältlich sein wird und von Wilhelm Hatop in jahrelanger Arbeit zusammengetragen worden ist.
Christian Riemenschneider gab Einblicke in die Arbeit des Stadtarchivs und betonte die große Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpflegern. Auch er machte deutlich, wie wichtig es ist, dass vor Ort kontinuierlich Materialien gesammelt und weitergegeben werden – etwa Fotos, Vereinsunterlagen oder persönliche Aufzeichnungen. Nur so könne die Entwicklung der Ortschaften nachvollziehbar dokumentiert und dauerhaft für kommende Generationen gesichert werden.
Aus der Versammlung heraus wurde insbesondere der Wunsch geäußert, gerade den neuen Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpflegern einen konkreten Einblick in die Arbeit des Stadtarchivs zu ermöglichen. Dabei soll gezeigt werden, wie die eingereichten Unterlagen tatsächlich verwahrt, archiviert und für die Zukunft gesichert werden – und welche Materialien deshalb besonders wichtig sind, gesammelt zu werden. Ergänzend wurde ein Workshop zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz angeregt, um den Umgang mit historischen Bildern und Texten weiter zu vertiefen. Beide Ideen sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden.
Stadtmuseum setzt stärker auf die Dörfer
Ausführlich stellte Dr. Imke Weichert ihre Planungen für das Stadtmuseum vor und machte deutlich, dass die Ortschaften künftig eine deutlich größere Rolle spielen sollen. Mit dem neuen Format „Treffpunkt Milchbock“ wurde bereits eine konkrete Möglichkeit geschaffen, einzelne Dörfer gezielt in den Mittelpunkt zu rücken. In diesem Rahmen sollen Ortschaften ihre Geschichte, Besonderheiten und Geschichten aus dem Dorfleben eigenständig präsentieren können – lebendig, nahbar und mit persönlichem Bezug. Weichert rief die Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger ausdrücklich dazu auf, sich aktiv einzubringen und diese Plattform zu nutzen.
Darüber hinaus kündigte sie für das kommende Jahr eine größere Ausstellung zum Thema Schule an. Ziel ist es, nicht nur die Entwicklung des Schulwesens in Einbeck darzustellen, sondern auch die Besonderheiten in den einzelnen Ortschaften sichtbar zu machen – von alten Schulgebäuden über Unterrichtsmaterialien bis hin zu persönlichen Erinnerungen. Auch hier setzt das Stadtmuseum auf die Unterstützung der Ortsheimatpflegerinnen und Ortsheimatpfleger, die wertvolle Materialien und Geschichten aus ihren Dörfern beisteuern können.
Gemeinsames Ziel: Heimat bewahren
Zum Abschluss brachte Strohmeier die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit auf den Punkt: „Indem wir die Geschichten von gestern bewahren, geben wir unserem Ort das Gesicht von morgen. Unsere Arbeit sorgt dafür, dass aus einem bloßen Wohnort eine Heimat wird – ein Ort mit Gedächtnis und Charakter.“
Mit diesen Worten endete eine Versammlung, die einmal mehr zeigte, wie wichtig das Engagement für die Geschichte und Identität der Ortschaften ist.
Foto: Marco Strohmeier