Landkreis Northeim (red). Gleich drei Vikarinnen bildet der Kirchenkreis Leine-Solling aktuell aus – angehende Pastorinnen also: Anaïs Uhlhorn ist bereits seit gut zwei Jahren Vikarin in Einbeck, Kim Krautz hat im März in der Apostelgemeinde in Northeim begonnen und Ursula König ist seit 2025 in der St.-Johannis-Gemeinde in Uslar tätig.
Ausbildung zur Pastorin
Wer Pastorin oder Pastor werden möchte, absolviert zunächst ein Theologiestudium. Im Anschluss folgt der praktische Ausbildungsteil, das Vikariat. Die Vikarinnen und Vikare können sich ihre Gemeinden nicht aussuchen, haben jedoch die Möglichkeit, Wünsche zu äußern. Alle drei zeigen sich mit ihren Einsatzorten zufrieden.
Das Vikariat beginnt mit Einführungskursen am Predigerseminar in Loccum. Es folgen erste Einblicke in die jeweilige Gemeinde sowie weitere Kursphasen. Im weiteren Verlauf wechseln sich mehrwöchige Studieneinheiten in Loccum mit längeren Praxisphasen in den Gemeinden ab, sodass Theorie und praktische Erfahrungen eng miteinander verzahnt sind.
Beweggründe und Erfahrungen
Warum sich Kim Krautz nach ihrem Theologiestudium für das Vikariat entschieden hat, erklärt sie so: „Mein Wunsch war es seit meinem Bundesfreiwilligendienst im Ev. Jugenddienst in Osterode, Pastorin zu werden. Ich habe mich also für das Vikariat entschieden, weil ich hier selbst praktisch tätig werden, mich in einem geschützten Raum ausprobieren kann und dabei Unterstützung von meiner Mentorin Susanne Barth bekomme.“
Für Anaïs Uhlhorn war der Weg zunächst weniger klar: „Ich wusste nach meinem Studium nicht genau, ob das Gemeindepfarramt was für mich ist. Mir hat aber gefallen, dass man im Vikariat die Möglichkeit hat, verschiedene kirchliche Arbeitsbereiche kennenzulernen. Sei es den Religionsunterricht in der Schule, die Seelsorge im Krankenhaus oder im Altenheim, die Verwaltung von Gemeinden oder den normalen Betrieb einer Gemeinde.“ Inzwischen hat sie ihren Examensgottesdienst gehalten und wird noch bis Januar 2027 in der Kirchengemeinde Einbeck tätig sein, bevor sie nach dem Zweiten Examen eine eigene Pfarrstelle übernimmt.
Was für sie das Besondere an der Arbeit ist, beschreibt sie so: „Besonders wertvoll finde ich, dass es fast immer um Beziehungsarbeit geht. Ob bei Personalgesprächen in der Gemeinde, beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst oder beim Konfi-Treff. Man ist einfach als Ansprechpartnerin, als Seelsorgerin, als professionelle Hilfe und Begleitung in besonderen Lebenslagen da.“
Vielfalt im Berufsbild
Ursula König bringt einen facettenreichen Lebenslauf mit. Sie war ehrenamtlich am Theater im OP Göttingen als Schauspielerin und Regisseurin tätig und arbeitete von 2023 bis 2025 als Altenpflegehelferin im Seniorenzentrum Weende in Göttingen. Sie erklärt: „Die enorme Vielfältigkeit des Arbeitsfeldes ermöglicht es jeder Pfarrperson, sich mit ihren individuellen, von Gott gegebenen Begabungen und erlangten Fertigkeiten einzubringen, eigene Schwerpunkte zu setzen und unterschiedliche Menschen mit der Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat zu erreichen. So sind bereits die unterschiedlichsten Pfarrpersonen in den Gemeinden unterwegs und bereichern das kirchliche Leben durch individuelle Impulse. Das erachte ich als Alleinstellungsmerkmal dieser Arbeit. Erst in der Vielfältigkeit und Uneindeutigkeit dessen, was eine Pastorin zu sein hat, weht der Geist und erreicht möglichst viele Menschen.“
Fotos: Privat