Opperhausen (red). Wie können mehr Frauen ermutigt werden, Verantwortung zu übernehmen – in Vereinen, Gremien, kirchlichen Zusammenhängen oder auch in der Kommunalpolitik? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung „Frauen entscheiden mit“ in der Pfarrei in Opperhausen am Sonntag, 12. April 2026. Eingeladen hatten die Kirchengemeinde Leine-Aue, Ortsbürgermeisterin Beatrix Tappe-Rostalski, Dorfmoderatorin Anika Berner sowie Anna Schäfer von der Gleichstellungsstelle der Stadt Einbeck. Insgesamt nahmen 14 Personen an dem Abend teil, der von einem intensiven Austausch und vielen anregenden Gedanken geprägt war.
Ehrenamt als Grundlage demokratischer Teilhabe
Den thematischen Impuls übernahm kurzfristig Ortsbürgermeisterin Beatrix Tappe-Rostalski. In ihrem Beitrag stellte sie die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für das demokratische Zusammenleben in den Mittelpunkt und schlug damit zugleich eine wichtige Brücke zum Thema des Abends. Wer Verantwortung in Gesellschaft, Kirche, Vereinen oder Politik übernimmt, beginnt oft im freiwilligen Engagement vor Ort.
Gerade hier zeige sich aber auch, wer sich Beteiligung zutraut, wer angesprochen wird und wer selbstverständlich mitgedacht wird. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Frauen in vielen Bereichen zwar viel für das Gemeinwesen leisten, in formalen Entscheidungspositionen jedoch noch immer nicht im gleichen Maße vertreten sind. Tappe-Rostalski griff dabei zentrale Gedanken auf, die auch der aktuelle Deutsche Freiwilligensurvey bestätigt: Ehrenamt bleibt ein tragender Pfeiler der Gesellschaft.
Film und Impulse zur Gleichberechtigung
Im Anschluss wurde der isländische Film „Ein Tag ohne Frauen“ gezeigt. Der Film verdeutlicht den grundlegenden Beitrag von Frauen für Gesellschaft, Arbeitswelt und öffentliches Leben und rückt Fragen nach Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und Teilhabe in den Mittelpunkt. Er bildete damit den Ausgangspunkt für die anschließende Gesprächsrunde.
Bereichert wurde der Abend durch die Teilnahme von Superintendentin Stephanie von Lingen vom Kirchenkreis Leine-Solling. Sie betonte, Gleichberechtigung sei ein Menschenrecht. Zudem hob sie hervor, dass Frauen häufig andere Themen und Perspektiven in gesellschaftliche Debatten und Entscheidungsprozesse einbringen. Bildung sei ein entscheidender Schlüsselfaktor für mehr Gleichberechtigung.
Herausforderungen und mögliche Lösungen
In der Gesprächsrunde wurde deutlich, dass das Thema viele Ebenen berührt. Aus der Dorfperspektive wurde hervorgehoben, dass Frauen das Gemeinschaftsleben vor Ort oft entscheidend mittragen und daher auch in Entscheidungsprozessen stärker vertreten sein sollten. Gleichzeitig wurde angesprochen, dass meinungsstarke Frauen nicht überall gern gesehen seien und Veränderungen häufig auf Widerstände stoßen.
Diskutiert wurde zudem, warum Frauen in politische oder ehrenamtliche Ämter nicht immer gewählt werden und warum es teilweise auch unter Frauen an gegenseitiger Unterstützung fehle. Ebenso kam zur Sprache, dass Frauen sich häufig stärker vorbereiten und mehr investieren müssten, um wahrgenommen zu werden. Nicht selten müssten sie „die Sprache der Männer“ lernen, um sich in bestehenden Strukturen durchsetzen zu können.
Weitere Herausforderungen liegen in der Vereinbarkeit von Engagement, Familie und Beruf sowie in strukturellen Hürden. Genannt wurden unter anderem unterschiedliche Erwartungshaltungen sowie fehlende flexible Rahmenbedingungen. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Frauen in höheren Ämtern weiterhin mit besonderen Anforderungen und Diskriminierung konfrontiert sind.
Am Ende wurden auch Lösungsansätze formuliert. Dazu zählen ein partnerschaftlicher Umgang, Mentoringprogramme – insbesondere in der Politik –, eine gezielte Ansprache, stärkere Vernetzung sowie der Abbau struktureller Hürden. Auch gegenseitige Unterstützung wurde als wichtiger Faktor benannt.
Die Veranstalterinnen zogen ein positives Fazit. Der Abend habe gezeigt, wie wichtig Räume für Austausch und neue Perspektiven sind. Eine lebendige Demokratie lebe davon, dass Verantwortung gemeinsam getragen werde – von Frauen und Männern gleichermaßen.
Foto: Stadt Einbeck