Dassel (gs). Ein prall gefüllter Saal, kostenfreie Verpflegung und ein Stargast, der kein Blatt vor den Mund nimmt: Die Harz-Weser-Werke luden am Donnerstagabend zu einem besonderen Veranstaltungsformat nach Dassel ein. Unter dem Motto „Berührungsängste abbauen“ bewies der bekannte Comedian und Schauspieler Tan Caglar („In aller Freundschaft“, „Tatort Berlin“), dass Inklusion dann am besten gelingt, wenn man gemeinsam lacht statt übereinander zu schweigen.
Begegnung auf Augenhöhe
Geschäftsführer Ditmar Hartmann begrüßte die Gäste in einer familiären Atmosphäre und betonte die Bedeutung des seit fünf Jahren bestehenden Formats. Die Harz-Weser-Werke, eine der größten Inklusionseinrichtungen Niedersachsens, verfolgen damit ein klares Ziel: Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit Beeinträchtigung sichtbar und erlebbar zu machen. „Solange man nicht konkret mit Menschen in Kontakt tritt, kann man sich kein Urteil erlauben“, so Hartmann.
Der Abend bot genau diesen Raum für ungezwungene Begegnungen – ohne Eintrittsgelder, dafür mit der Bitte um Spenden für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigten der Einrichtung.
„Der Teufel trägt Rollstuhl“ – Tan Caglar räumt mit Klischees auf
Der aus Hildesheim stammende Tan Caglar übernahm die Bühne mit seinem aktuellen Programm und entlarvte die Absurditäten des Alltags eines Rollstuhlfahrers. Mit viel Selbstironie berichtete er von den Tücken vermeintlich „barrierefreier“ Hotelzimmer, in denen der Türspion oft auf Gürtelhöhe angebracht ist, oder von kuriosen Begegnungen bei Polizeikontrollen.
Besonders seine Identität als „überintegrierter“ Deutscher mit türkischen Wurzeln sorgte für Heiterkeit. Caglar beschrieb sich humorvoll als „Mahmoud mit der Seele von Helmut“, dessen Eltern mittlerweile so deutsch seien, dass der Vater, wenn der Halbmond erscheint, in den Garten läuft, um die deutsche Flagge zu hissen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Haltung zeigen und Barrieren überwinden
Neben den humorvollen Anekdoten aus dem TV-Alltag bei „In aller Freundschaft“ setzte Caglar auch deutliche Statements. Er berichtete von einer lukrativen Anfrage einer politischen Partei, die er aus Überzeugung ablehnte: „Ich trete lieber hundertmal umsonst in Dassel auf als für viel Geld bei der AfD.“
Zum Abschluss des Abends teilte der Comedian eine prägende Erfahrung aus dem Berliner Tempodrom. Bei einem Bühnentausch mit Bülent Ceylan reagierten 4.000 Zuschauerinnen und Zuschauer nicht etwa mitleidig auf den Rollstuhl, sondern schockiert über die vermeintlich kurzen Haare des Künstlers. Für Caglar ein Beispiel für gelebte Inklusion: Wenn die Behinderung zur Nebensache wird.
Ein Zeichen für die Region
Die Veranstaltung endete mit stehenden Ovationen und der Zusage des Künstlers, auch nach der Show für Fotos und Gespräche zur Verfügung zu stehen. Die Harz-Weser-Werke setzten mit diesem Abend ein starkes Zeichen für die Region Dassel/Northeim: Inklusion braucht keine Barrieren, sondern Mut, Humor und echte Begegnung.
Vorschau auf weitere Veranstaltung
Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 10. September in Northeim mit Mathias Mester statt. Interessierte sind auch hier wieder eingeladen, Berührungsängste auf besondere Weise abzubauen.


Fotos: Gerd Stahnke