Greene. In der Politik wird derzeit viel über den neuen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen gesprochen. In der Praxis zeigt sich jedoch, wie schwierig die Umsetzung offenbar ist – und wer am Ende die Konsequenzen tragen soll: die jüngsten Schülerinnen und Schüler.
An der Grundschule Kreiensen mit der Außenstelle Greene wird aktuell darüber diskutiert, Grundschulkinder im Alter von sechs bis zehn Jahren an mehreren Tagen pro Woche mit dem Bus nach Kreiensen zu fahren, damit sie dort am Ganztagsangebot teilnehmen können. Hintergrund ist, dass die Schule personell und finanziell nur wie ein Standort ausgestattet ist, der Schulbetrieb jedoch an zwei Orten organisiert werden muss.
Für die betroffenen Kinder bedeutet dies: Nach dem Unterricht die Schulsachen packen, Bus fahren, sich in einer anderen Schule orientieren – und kurze Zeit später (wegen An- und Abfahrt bei Nutzung der Hausaufgabenbetreuung etwa 20 Minuten) wieder zurückfahren. Wertvolle Zeit für Hausaufgaben und Betreuung geht verloren.
Viele Eltern empfinden diese Lösung nicht als Verbesserung der pädagogischen Qualität, sondern als Zeichen dafür, dass ein strukturelles Problem auf dem Rücken der Kinder gelöst werden soll.
Besonders betroffen wären die Kinder der Außenstelle Greene, die dadurch deutlich schlechtere Bedingungen hätten als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler am Hauptstandort.
Es stellt sich daher die Frage: Ist das wirklich die Vorstellung von Ganztagsbetreuung, die Politik, Schulträger und Schulleitung haben?
Der Infoabend für die betroffenen Eltern ließ viele wichtige Fragen offen. Darunter waren unter anderem folgende: Wie viele Kinder aus der Außenstelle Greene betrifft es? Welche Tage in der Woche sind angedacht? Warum wird durch das Zusammenlegen der Ganztagsbetreuung die pädagogische Qualität gesteigert beziehungsweise wo besteht ein Gefälle? Um wie viel Geld geht es beziehungsweise wie viel Geld fehlt, um diese (Personal-)Lücken zu schließen? All diese Fragen blieben offen und wurden nicht beantwortet.
Dann erfolgte eine Umfrage seitens der Schulleitung. Die Fragestellung wurde von vielen Greener Eltern als wenig sachlich und teilweise manipulativ empfunden. Zur Auswahl stand: Wir stimmen der Zusammenlegung des Ganztagsbetriebs in Kreiensen zu und sichern damit die pädagogische Qualität, oder wir lehnen ab und nehmen Notgruppen etc. in Kauf. Das Ergebnis fiel – wenig überraschend – in Greene ablehnend und in Kreiensen zustimmend aus.
Wenn von gleichen Bildungschancen die Rede ist, dann müssen diese auch für alle Kinder gelten – unabhängig davon, an welchem Schulstandort sie lernen.
Kinder sind unsere Zukunft. Gerade bei ihnen sollte man nicht sparen.
Sabrina Kerl, Adriana Busch, Familie Schütte
Greene
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