Einbeck (red). Was macht ein Kulturhaus nach 18 Jahren erfolgreicher Arbeit? Es stellt sich selbst auf den Prüfstand. Unter dem Motto „Die Idee und wie man mitentwickeln kann“ hatte Martin Keil, Leiter des Kammersaals Einbeck, dazu eingeladen, über die Zukunft des Hauses an der „Langen Brücke 1“ nachzudenken. Rund 25 Kulturfreundinnen und Kulturfreunde folgten der Einladung und entwickelten nach einem rund 15-minütigen Impulsvortrag neue Perspektiven für die kommenden Jahre.
Vom Bewährten zum Aufbruch
Die Wandlung von der ehemaligen „TangoBrücke“ zum „Kammersaal“ versteht sich als Bekenntnis zur Vielfalt. Kammermusik – von Klassik bis Jazz – bleibt ein Herzstück, doch das Profil soll erweitert werden. Das Haus will ein Ort für alle Generationen und Genres sein: für Konzertliebhaberinnen und Konzertliebhaber, Tangotänzerinnen und Tangotänzer, Improtheater-Begeisterte oder bildende Künstlerinnen und Künstler. Ziel ist ein „kulturelles Wohnzimmer“ mitten in der Innenstadt.
Dass der Kammersaal bereits heute von bürgerschaftlichem Engagement lebt, zeigen unter anderem die Theaterformationen Amanti und Crème frech unter der Leitung von Dr. Rolf Bartels, die Tangoszene sowie regelmäßige Spieleabende. Diese Kultur des Mitgestaltens bildete die Grundlage für den Workshop-Teil des Abends. Auf Post-its sammelten die Teilnehmenden Ideen – ohne Denkverbote.
Ein bunter Strauß an Visionen
Besonders groß war der Wunsch nach Angeboten für Kinder. Vorgeschlagen wurden unter anderem ein Kinder-Improtheater, Detektiv-Clubs oder Konzerte „von Kindern für Kinder“ in Kooperation mit Einbecker Musikschulen. Auch gesellige Formate fanden Anklang: Ein Getränkekühlschrank im Saal soll kurzfristig angeschafft werden, zudem wurden Tabletop-Rollenspiele, Bingo-Abende, ein Table Quiz oder ein „Cocktail Língua“ ins Gespräch gebracht.
Darüber hinaus reichten die Ideen von Handarbeits-Treffen unter den Kronleuchtern über eine After-Christmas-Tauschbörse und eine Benefizauktion bis hin zu einer Dragqueen-Show. Auch ein Philosophie-Café, Themenabende über Persönlichkeiten wie Romy Schneider oder experimentelle Formate wie „Klangzeichnen“ wurden genannt.
Infrastruktur und Gastfreundschaft
Neben kreativen Visionen spielte auch die Infrastruktur eine Rolle. Ein Kulturraum benötige nicht nur eine ansprechende Einrichtung, sondern auch wechselnde Gastgeberinnen und Gastgeber, die eine Willkommenskultur prägen. Zudem stehen bauliche Maßnahmen an: Die Planungen für barrierefreie Sanitäranlagen sind nach Angaben des Hauses weit vorangeschritten, für die Umsetzung werden jedoch weitere Unterstützende benötigt.
Annett Steinberg und Bernd Grupe als Vertreter des Vorstandes des Trägervereins „Konzert- und Kulturfreunde Einbeck e.V.“ nahmen ebenfalls am Entwicklungstreffen teil. Zum Abschluss regten sie eine Wiederholung des Formats an und erhielten dafür breite Zustimmung.
Wer sich einbringen oder als Gastgeberin oder Gastgeber aktiv werden möchte, ist eingeladen, sich zu beteiligen. Weitere Informationen finden sich unter www.kammersaal.de.
Foto: Kammersaal Einbeck