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Montag, 17. Juni 2024 Mediadaten wsr.tv
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Dassel (red). Jost Speitling kennt alle Lebensstufen der Eiche: vom Samenkorn, der Eichelfrucht, bis zum mächtigen Altbaum oder Totholz-Veteran. Als Förster begleitet er deren Lebensweg sprichwörtlich von der Wiege bis zur Bahre. Und manche seiner Eichen ist längst zu Edelfurnier für die Ewigkeit verarbeitet. Andere dienen als Sargholz und wieder andere bleiben als Monumente der Nachwelt erhalten. Das sind ausgelebte Bäume mit ökologischem Wert als Wohnraum für seltene Insekten, Vögel, Fledermäuse oder andere Säugetiere.

Nun nimmt Lauenbergs langjähriger Revierleiter Abschied von seiner Försterei im Forstamt Dassel. Jost Speitling hat Ende Mai sein bewegtes Berufsleben beendet und die Aufgaben in jüngere Hände übergeben. Der 66-jährige Forstmann im Ruhestand war seit 2005 verantwortlich für die Wälder rund um Lauenberg. Vorausgegangen waren verschiedene Tätigkeiten als Revierassistent, als Einsatzleiter im Wegebau oder für Forstmaschinen sowie im Bereich Naturschutz und Landschaftspflege. Der gebürtige Holzmindener ist dem Weserbergland und seiner Sollingheimat treu geblieben. Sein Försterleben war geprägt von Forstreformen und damit verbundenen beruflichen Veränderungen. Stürme, jüngste Borkenkäfer-Plagen, die Vorsorge um Saatgut und der ökologische Wandel der Sollingwälder pflasterten seinen Berufsweg. Die geschätzten und weit bekannten Lauenberger-Eichen will der Ruheständler regelmäßig besuchen.

Geerdet im Solling und verwurzelt im Wald

Jost Speitling wuchs auf in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dort kam er früh mit der Jagd in Berührung. Das Waidwerk erweckte sein Waldinteresse und führte ihn zum Forstberuf. Das erforderliche Studium absolvierte er von 1980 bis 1983 in Göttingen und schloss anschließend als Forst-Anwärter im Forstamt Duingen seine Laufbahnprüfung ab. Die ersten Stationen führten Speitling in die damaligen Forstämter Holzminden und Fürstenberg. An das Forstamt Seelzerturm versetzt, bekam er die Aufgabe als Maschineneinsatzleiter übertragen. Die Arbeit als Revierleiter durfte der inzwischen 34-jährige Speitling 1992 mit der Übertragung der Försterei Mackensen übernehmen und bis 1997 ausfüllen. Eine Forstreform führte zur Veränderung des Revieres und Förster Jost Speitling wurde erneut Einsatzleiter im Wegebau und später auch für Forstmaschinen. In seiner letzten Funktion konnte er all sein Spezialwissen und seine Berufserfahrung einsetzen. Die Leitung der Försterei Lauenberg erfüllte den Forstmann bis zum letzten Tag bei den Niedersächsischen Landesforsten.

Dort im Solling war er familiär geerdet und beruflich im Wald verwurzelt. Jost Speitling übergibt sowohl ein gut gepflegtes Revier, als auch einen aufgewerteten Wald. Gewappnet für eine unsichere Zukunft im Klimawandel wünscht er sich ganz persönlich von seinem Wald: „Er soll möglichst alle Gemeinwohlaufgaben erfüllen, die kommende Generationen an die Waldbewirtschaftung stellen.“

Biodiversität sichern und Eichen-Kronjuwelen vererben

Den Grundstein hierfür hat Speitling selber gelegt. Er gestaltete den Umbau der reinen Fichtenwälder in standortgerechte Mischwälder. Sein Handeln war in die Zukunft gerichtet mit dem Ziel, „dass Urenkel noch Eichenholz für hochwertige Möbel ernten können und sich die Solling-Wälder möglichst selber verjüngen“. Wo das nicht funktionierte, half Speitling nach und ließ neue Baumarten pflanzen. „Rückblickend ist der Revier Lauenberg in den Jahren immer vielfältiger geworden und anspruchsvoller. Die Anzahl der Baumarten hat sich erhöht. Waldpflege, Naturschutzarbeit und Holzernte haben den Bestand an seltenen und geschützten Tier- und Pflanzenarten gestärkt“, bewertet der Förster. Heute lebten im Revier wieder Arten, die lange Zeit verschollen waren. Jost Speitling denkt an Eremitkäfer, Wildkatze, Luchs oder Mittelspecht, deren Schutz und Rückkehr er aktiv unterstützt habe.

Freudig blickt Speitling zurück auf seine Eichen-Veterane, deren Lebensweg er ein stückweit begleiten durfte. Ihren unschätzbaren Wert für die Biodiversität sieht er gesichert. Neue Eichen heranzuziehen sei dagegen schwierig und mache viel Arbeit, weiß der Forstmann. Ein Wildniswald könne im Solling keine 500-jährigen Ureichen hervorbringen. „Ohne helfende Hand und forstliches Management gehen uns diese Bäume, die Kronjuwelen des Sollings, langfristig verloren“, sagt der Fachmann denjenigen Waldbesuchern, die Artenreichtum nur dort vermuten, wo Wälder nicht mehr bewirtschaftet werden.

Seine Mission sieht der Pensionär erfüllt. „Ich habe die Biodiversität gesichert und meine Eichen-Kronjuwelen weitervererbt!“ Blickt Jost Speitling ein wenig stolz auf sein Wirken als Förster von Lauenberg zurück. Sein Nachfolger, Joschka Henne-Weller, wird dieses Erbe als neuer Revierleiter nun weiterführen.

Foto: NLF

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