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Samstag, 13. Juni 2026 Mediadaten wsr.tv
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Einbeck (red). Die Energiewende entscheidet sich nach Darstellung des Einbecker Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen zunehmend vor Ort – in Kellern, auf Dächern und in kommunalen Netzen. Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, zeigte ein gut besuchter Bürgerdialog in der Alten Synagoge in Einbeck. Der Ortsverband hatte zu einem öffentlichen Gesprächsabend eingeladen, um mit Sven Giegold, stellvertretender Bundesvorsitzender der Grünen, über die „Energiewende 2.0“ zu diskutieren.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich nach Angaben der Veranstalter eine angeregte und produktive Diskussion zwischen Giegold und den Teilnehmenden. Im Publikum saßen unter anderem der Landratskandidat der Grünen, Jakob Reiter, sowie die Bürgermeisterkandidaten Antje Sölter (CDU) und René Kopka (SPD).

Bürgerenergie statt Großinvestoren

Giegold beschrieb in seinem Vortrag die aktuellen Herausforderungen der Energieversorgung. Zwar stammten rund 60 Prozent des Stroms in Deutschland mittlerweile aus erneuerbaren Quellen, beim gesamten Energiebedarf inklusive Wärme und Verkehr liege der Anteil jedoch erst bei gut 22 Prozent. Kritik äußerte Giegold am Kurs der aktuellen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Deren Pläne zur Drosselung des Ausbaus erneuerbarer Energien und zur Streichung von Einspeisevergütungen bedeuteten aus seiner Sicht einen deutlichen Rückschritt.

Die Grünen setzten mit der „Energiewende 2.0“ stattdessen auf eine konsequente Digitalisierung der Netze. Als Schlüsseltechnologie nannte Giegold den flächendeckenden Einsatz von Smart Metern, also intelligenten Messsystemen. Nur dadurch ließen sich dezentrale Speicher, Wärmepumpen und schwankende erneuerbare Energien flexibel und effizient aufeinander abstimmen. „Die Zukunft ist elektrisch, digital und dezentral – und sie gehört in die Hände der Bürgerinnen und Bürger, nicht in die von Großinvestoren“, so Giegold.

Einbecks Wärmeplanung im Fokus

Ein wichtiger Punkt des Abends war die lokale Situation in Einbeck. Bereits in ihrer Begrüßung betonte die Vorstandssprecherin der Einbecker Grünen, Hannah Fleetwood, wie zentral das Thema mit Blick auf den aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung sei. Die Stadt Einbeck hat durch die EIN-Energie GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke Einbeck, eine kommunale Wärmeplanung erarbeiten lassen. Der Entwurf lag kürzlich öffentlich aus.

Aus Sicht der Einbecker Grünen sei dieser Bericht ein wichtiger erster Schritt, stelle bislang aber vor allem eine Einschätzung des Machbaren durch externe Gutachter dar. Die Daten zeigten nach Darstellung der Grünen eine klare Richtung: Während in der Kernstadt der Ausbau von Fernwärmenetzen sinnvoll sei, werde im ländlich geprägten Raum die Wärmepumpe eine zentrale Rolle spielen.

Giegold warnte vor Verzögerungen: „Durch den steigenden CO₂-Preis wird fossiles Gas in den nächsten Jahren dramatisch teurer. Es wird eine regelrechte Flucht in die Wärmepumpe geben.“ Für Einbeck bedeute das aus Sicht der Grünen, dass das Gutachten nicht in der Schublade verschwinden dürfe. Vielmehr brauche es konkrete kommunale Anreize, um den Ausbau anzuschieben und Planungssicherheit für Eigentümer und Mieter zu schaffen.

Diskussion über Netze, Smart Meter und Strompreise

In der anschließenden Publikumsrunde wurde intensiv über die Stabilität der Netze gesprochen. Kritisch angemerkt wurde, dass große Photovoltaikanlagen derzeit oft noch nicht per Fernsteuerung regelbar seien. Hier müsse nachgebessert werden, um Netzüberlastungen zu vermeiden. Auch der aus Sicht der Teilnehmenden schleppende Smart-Meter-Rollout, der die Digitalisierung der Stromnetze ausbremse, kam zur Sprache.

Ein Bürger merkte an, dass der Einbau durch die Stadtwerke momentan sehr teuer sei. Giegold entgegnete, der Einbau sei gesetzlich streng reguliert. Langfristig rechne sich die Investition aus seiner Sicht besonders in Kombination mit einer Wärmepumpe oder einem E-Pkw durch dynamische Stromtarife. Aus dem Publikum kam zudem der Vorschlag, dass die Kommunalpolitik gezielte Anreize und Informationskampagnen starten könne, um kleinen Netzbetreibern sowie Bürgerinnen und Bürgern die Sorge vor Veränderungen zu nehmen.

Auf die Frage, warum der Strompreis oft so hoch sei, erklärte Giegold das Merit-Order-Prinzip. Dabei bestimmt das teuerste Kraftwerk, häufig ein Gaskraftwerk, den Preis für den gesamten Markt. Die Erneuerbaren produzierten zwar sehr günstig, die Gewinne landeten jedoch nach Giegolds Darstellung oft unverteilt bei den Betreibern. „Niemand will die Merit-Order abschaffen, weil sie den effizienten Einsatz steuert, aber wir brauchen dringend eine Übergewinnsteuer, um diese unverdienten Profite abzuschöpfen“, forderte Giegold. Bitter sei zudem, dass das versprochene Klimageld als sozialer Ausgleich auf Bundesebene am Widerstand von Finanzminister Christian Lindner gescheitert sei, der eine soziale Differenzierung nach Einkommen strikt abgelehnt habe.

Fleetwood sieht kommunale Impulse als entscheidend

Vorstandssprecherin Hannah Fleetwood, die durch den Abend führte, zog ein positives Fazit: „Die Energiewende 2.0 ist machbar und kann vor Ort gestaltet werden, wenn unter anderem kommunalpolitisch die richtigen Impulse gesetzt werden. Eine Schlussfolgerung, die hoffentlich auch unsere Bürgermeisterkandidaten, über deren Teilnahme an der Veranstaltung ich mich sehr gefreut habe, für sich mitnehmen."

Foto: Grüne

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