Kreiensen (awin). Bei der Feuerwehr Kreiensen ist die Enttäuschung groß. Der geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses ist vorerst gestoppt – ausgerechnet jenes Projekt, auf das die Ortsfeuerwehr seit Jahren wartet. Ortsbrandmeister Peter Schneider sprach in der Sitzung des Einbecker Stadtrats von „Kernschmelze“. Für die Wehr geht es nun nicht nur um einen neuen Standort, sondern auch um Vertrauen, Einsatzfähigkeit und eine verlässliche Perspektive.
Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek informierte den Stadtrat am 10. Juni 2026 über die Gründe für den Stopp. Demnach haben sich bei der weiteren Planung erhebliche Probleme bei der Hangsicherung am vorgesehenen Standort ergeben. Der Hang sei deutlich aufwendiger zu sichern als zunächst angenommen. Zusätzliche Maßnahmen wie Bodenvernagelungen, Spritzbeton und weitere Sicherungen würden die Kosten deutlich erhöhen.
Statt der bislang eingeplanten rund eine Million Euro rechnet die Stadt für Außenanlagen, Freiflächen und Sicherungsarbeiten inzwischen mit etwa 1,57 Millionen Euro. Daraus ergibt sich ein Mehrbedarf von knapp 500.000 Euro. Weitere Kostensteigerungen seien nicht ausgeschlossen. Wegen möglicher Planungsfehler prüft die Stadt rechtliche Schritte gegen den beauftragten Außenanlagenplaner.
Feuerwehr spricht von schwerem Rückschlag
Besonders hart trifft die Entscheidung die Feuerwehr Kreiensen. Schneider machte in der Ratssitzung deutlich, wie sehr der Baustopp die Wehr getroffen hat. „Mit Erschütterung haben wir im Mai die Info von unserem Stadtbrandmeister bekommen, dass der Neubau des Gerätehauses, auf den wir uns fest eingestellt und gefreut haben, gestoppt worden ist“, sagte Schneider. Die Situation sei für die Feuerwehr sehr unbefriedigend. Die Stimmung in Kreiensen und in der Wehr beschrieb er mit einem Wort: „Kernschmelze“.
Michalek betonte, auch der Verwaltung falle diese Entscheidung nicht leicht. Man habe versucht, die Planungsprobleme zu lösen. Als die Kostenentwicklung sichtbar geworden sei, habe die Stadt die Fakten mit der Politik beraten. Am Ende sei man zu dem Schluss gekommen, dass es noch möglich sei, an diesem Standort „die Reißleine zu ziehen“. Der Neubau selbst sei damit nicht endgültig aufgegeben. Die Verwaltung prüfe nun alternative Standorte in Kreiensen.
Kritik an Kommunikation und Transparenz
Neben den Kosten steht auch die Kommunikation in der Kritik. Helmar Breuker von den Unabhängigen erinnerte daran, dass noch vor wenigen Wochen der Eindruck vermittelt worden sei, das Projekt liege im Plan. Nun werde deutlich, dass es offenbar schon früher Probleme gegeben habe. „Die Menschen in Kreiensen dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass sie abgehängt werden“, sagte Breuker. Er hoffe, dass Transparenz und Kommunikation künftig besser würden.
Auch Schneider kritisierte die bisherige Einbindung der Feuerwehr deutlich. Auf die Frage, wie neue Planungen künftig mit ihm als Ortsbrandmeister besprochen würden, sagte er: „Die bisherige Kommunikation im Vorfeld war nicht desaströs, denn die hat ja gar nicht stattgefunden.“
Offen bleibt, wie die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr Kreiensen in der Übergangszeit gesichert wird. Das bestehende Feuerwehrgebäude gilt seit langem als unzureichend, auch der Austausch von Fahrzeugen ist Thema. Größere Fahrzeuge benötigen jedoch größere Hallen. Genau diese Lösung muss nun neu gefunden werden.
Für Kreiensen bleibt damit eine schwierige Zwischenlage. Der Neubau ist nicht vom Tisch, aber der bisherige Standort steht vorerst nicht mehr zur Verfügung. Nach Jahren des Wartens braucht die Feuerwehr nun vor allem Verlässlichkeit: eine tragfähige Alternative, eine klare Kommunikation und das Signal, dass Kreiensen bei dieser wichtigen Zukunftsfrage nicht aus dem Blick gerät.
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