Dassel (red). Die SPD-Stadtratsfraktion Dassel hat sich im Rahmen einer Informationsveranstaltung mit der Entwicklung des Rettungsdienstes im Landkreis Northeim befasst. Auf Einladung der Fraktion hielt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Northeim, Sören Heitmann, einen Vortrag zu aktuellen Anforderungen, strukturellen Herausforderungen und möglichen Entwicklungen in der Notfallversorgung.
Anforderungen an den Rettungsdienst steigen
Die Anforderungen an einen modernen Rettungsdienst gingen nach Darstellung der Veranstalter deutlich über den reinen Transport von Notfallpatientinnen und Notfallpatienten hinaus. Hintergrund der Veranstaltung war auch eine Resolution der Räte der Städte Dassel, Moringen und Hardegsen an den Landkreis. Darin hatten sie gefordert, dass die rechnerischen, gesetzlichen Hilfsfristen auch im „Solling-Randbereich“ des Landkreises Northeim eingehalten werden. Zu der Informationsveranstaltung waren auch Vertreter der ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehr eingeladen, die insbesondere bei schweren Verkehrsunfällen unmittelbar beteiligt sind.
Heitmann erläuterte in seinem Vortrag die Herausforderungen des Rettungsdienstes unter den unterschiedlichen Bedingungen der Vergangenheit und Gegenwart und gab einen Ausblick auf künftige Entwicklungen. Dabei ging er unter anderem auf die Entwicklung der Ausbildung vom Rettungssanitäter bis hin zum künftigen Gemeindenotfallsanitäter ein.
Unterschied zwischen Rettungsdienst und Notarztpraxis
Nach den Ausführungen Heitmanns ergreife der Rettungsdienst lebenserhaltende Maßnahmen, übernehme aber keine „heilenden“ Aufgaben. Damit bestehe ein deutlicher Unterschied zu den Leistungen der ärztlichen Notarztpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die Schließung der Notarztpraxis in Einbeck habe nach seiner Darstellung nicht, wie von vielen befürchtet, zu einer Erhöhung der Zahl der Rettungsdiensteinsätze in dieser Region geführt.
Noch intensiver ausgebildete Rettungssanitäter-Plus oder Notfallsanitäter könnten und dürften inzwischen teilweise Leistungen erbringen, die bisher Ärztinnen und Ärzten vorbehalten gewesen seien. Dies könne zu einer schnelleren Versorgung führen, Notärzte entlasten und den Sanitätern Aufgaben übertragen, die ihrer Kompetenz entsprächen. Zudem ermögliche die Telenotfallmedizin bei Bedarf den schnellen digitalen Einsatz von Notärzten.
SPD sieht Anpassung der Strukturen als notwendig an
Nach Einschätzung der SPD ist eine bedarfsgerechte Anpassung der Versorgung nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich, sondern könne auch die Qualität der Versorgung insgesamt verbessern, insbesondere bei schweren Fällen. Die Auslastung der Notärzte sei derzeit vergleichsweise gering. SPD-Ratsmitglied Gerhard Melching betonte: „Eine zu geringe Inanspruchnahme der hochqualifizierten „ärztlichen Ressource“ sei gesellschaftlich kaum vertretbar. Es ist wichtig, dass die Ziele des Rettungsdienstes umgesetzt und erreicht, die Motivation der Sanitäter und Notärzte gestärkt werden und die Wirtschaftlichkeit im Blick bleibt.“ Eine Anpassung beziehungsweise Reduzierung der Zahl der Notarztstellen sei aus Sicht der SPD richtig, wenn die Leistung des Rettungsdienstes vollumfänglich erbracht werden könne.
Satelliten-Rettungswachen sollen Hilfsfristen verbessern
Die Berechnung zur Einhaltung der Hilfsfristen erfordere nach den Informationen aus der Veranstaltung eine Anpassung der Standorte der Rettungswagen. Insgesamt könne die Bildung von „Satelliten“-Rettungswachen die Einhaltung der Hilfsfristen deutlich verbessern.
Der Fraktionsvorsitzende Uwe Fingerhut und insbesondere die Ortsbürgermeisterin Heike Hoffmann bedankten sich beim Landkreis Northeim dafür, dass ein Rettungswagen nun tagsüber in Dassel stationiert ist. Dies habe sich positiv auf die Einhaltung der Hilfsfristen im Bereich Einbeck/Dassel ausgewirkt. Die SPD-Ratsfraktion Dassel sieht aufgrund der Einschätzung vor Ort jedoch eine 24-stündige Besetzung der Satellitenstation in Dassel als erforderlich an. Zudem unterstützt sie die mögliche Reduzierung der Hilfsfristen im Landkreis Northeim durch die Einrichtung von „Satelliten-Rettungswachen“.
Foto: SPD