Northeim (red). Rund 20 engagierte Frauen aus dem gesamten Landkreis folgten der Einladung des Arbeitskreises der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten zur zweiten Auflage der Veranstaltung „Tacheles & Tee – Frauen mischen mit!“ am 17. Februar im Northeimer Rathaus.
Im Mittelpunkt des Abends stand neben einem Impuls zum Thema „Diskriminierung von Frauen* im politischen Diskurs“ vor allem die Vernetzung politisch aktiver und interessierter Frauen. Im fachlichen Input wurde betont, dass Demokratie unterschiedliche Perspektiven brauche. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass Frauen in politischen Gremien weiterhin deutlich unterrepräsentiert seien. Im Deutschen Bundestag liege der Frauenanteil aktuell bei rund 32 Prozent, auf kommunaler Ebene bei etwa 31 Prozent. Im Kreistag des Landkreises Northeim betrage er knapp 22 Prozent.
Zahlreiche Hürden im politischen Alltag
Neben Zahlen wurden auch Erfahrungen aus dem politischen Alltag thematisiert. Teilnehmerinnen berichteten von stereotypen Zuschreibungen, Kommentaren zu Aussehen oder Familie statt zu Inhalten sowie davon, weniger ernst genommen zu werden. Während Männer häufig als durchsetzungsstark wahrgenommen würden, würden Frauen bei vergleichbarem Auftreten schneller als „zu ehrgeizig“ bewertet. Auch Hasskommentare und persönliche Angriffe in sozialen Medien träfen Frauen besonders häufig.
Darüber hinaus wurden strukturelle Aspekte benannt. Parteiintern entschieden Nominierungsverfahren über Kandidaturen. Intransparente Abläufe und gewachsene Netzwerke könnten bestehende Ungleichheiten verstärken. Frauen kandidierten seltener in Wahlkreisen mit realistischen Gewinnchancen, zudem seien Direktmandate zeit- und kostenintensiv. Gesellschaftliche Unterschiede wirkten sich somit auch auf politische Möglichkeiten aus.
Ideen für Verbesserungen
In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmerinnen über eigene Erfahrungen und mögliche Verbesserungen aus. Genannt wurden unter anderem Mentoring-Programme, parteiinterne Quoten, Argumentationstrainings sowie stärkere Netzwerke. Ebenso wichtig sei es, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und Verantwortung gemeinsam zu übernehmen. Die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten würden hierzu mit Vernetzungs- und Sensibilisierungsangeboten beitragen.
Neben dem inhaltlichen Austausch stand die offene Atmosphäre im Vordergrund. Neue Kontakte wurden geknüpft und bestehende Netzwerke gestärkt. Eine Fortsetzung des Formats ist für den Herbst geplant.
Foto: Stadt Einbeck: