Einbeck (red). Nach Auffassung der Bürgerliste „Gemeinsam für Einbeck“ steht die Stadt Einbeck vor einer spürbaren Zäsur in der medizinischen Versorgung. Hintergrund ist die geplante Schließung der ärztlichen Bereitschaftsdienstambulanz am Einbecker Bürgerspital zum 31. Januar 2026.
Ab 1. Februar 2026 soll der Bereitschaftsdienst nach den Planungen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ausschließlich am Standort Northeim gebündelt werden. Für viele Menschen in Einbeck, Bad Gandersheim, Dassel und im westlichen Kreisgebiet bedeutet dies aus Sicht der Bürgerliste vor allem längere Wege, mehr Unsicherheit und eine wachsende Sorge darüber, wie im Krankheitsfall außerhalb der regulären Sprechzeiten verlässlich Hilfe erreicht werden kann. Dies gelte insbesondere für Menschen, die nicht mobil seien oder weiterhin auf Unterstützung angewiesen blieben.
Die Bürgerliste „Gemeinsam für Einbeck“ erklärte, diese Sorgen sehr ernst zu nehmen. Eine wohnortnahe und gut erreichbare medizinische Versorgung sei ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge, gerade im ländlichen Raum. Wenn bestehende Strukturen wegfielen oder weiter zentralisiert würden, treffe dies nach Ansicht der Bürgerliste nicht alle Menschen gleichermaßen. Ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern, Personen ohne eigenes Auto oder Menschen mit akuten Beschwerden, die eine längere Fahrt schlicht nicht bewältigen könnten, gerieten nach Auffassung der Partei schneller in eine Versorgungslücke. Diese Entwicklung sei aus Sicht der Bürgerliste nicht nur eine organisatorische Frage, sondern betreffe das Sicherheitsgefühl vieler Bürgerinnen und Bürger unmittelbar.
Heute wird sich der Rat der Stadt Einbeck mit einer Resolution befassen und diese beschließen, die sich kritisch mit der geplanten Zusammenlegung der Bereitschaftsdienstpraxen auseinandersetzt. Diese Resolution greife zentrale Punkte auf, die auch von der Bürgerliste geteilt würden. So stelle sie fest, dass die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ohne vorherige Information oder Einbindung der kommunalen Ebene getroffen worden sei. Zudem warne sie davor, dass die Schließung des Standortes Einbeck zu deutlich längeren Anfahrtswegen führen würde, insbesondere für Bürgerinnen und Bürger im westlichen und nordwestlichen Kreisgebiet.
Weiter weise die Resolution nach Angaben der Bürgerliste darauf hin, dass eine solche Zentralisierung nicht nur die Erreichbarkeit verschlechtern könne, sondern auch Wartezeiten und Unzufriedenheit erhöhen dürfte. Besonders wichtig sei aus Sicht der Bürgerliste der Hinweis, dass sich dadurch die Belastung in Notaufnahmen und im Rettungsdienst verstärken könnte. Dies könne geschehen, weil Patientinnen und Patienten aus Mangel an Alternativen häufiger die Notaufnahme aufsuchen oder im Zweifel den Rettungsdienst rufen würden, wenngleich es sich nicht um lebensbedrohliche Notfälle handele. Der Landkreis als Träger des Rettungsdienstes werde damit faktisch zum Ausfallbürgen, wenn der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung nicht mehr ausreichend erfüllt werde.
Die Resolution fordere daher nach Darstellung der Bürgerliste, die Zusammenlegung der Bereitschaftsdienstpraxen auszusetzen, unverzüglich in einen konstruktiven Dialog einzutreten und tragfähige regionale Lösungen zu entwickeln. Sie spreche sich ausdrücklich für den Erhalt des Standortes Einbeck aus und begrüße grundsätzlich auch den Ausbau telemedizinischer Ansätze. Zugleich mache sie jedoch deutlich, dass Telemedizin aus Sicht der Bürgerliste erst dann Strukturreduzierungen ersetzen könne, wenn sie tatsächlich zuverlässig, leistungsfähig und flächendeckend verfügbar sei.
Die Bürgerliste „Gemeinsam für Einbeck“ erklärte weiter, sie werde sich einer solchen Resolution selbstverständlich nicht verschließen. Im Gegenteil halte man es für richtig und notwendig, dass Rat, Landkreis und Kommunen in dieser Frage geschlossen auftreten. Gleichzeitig sehe die Bürgerliste es als ihre Verantwortung an, nicht nur Forderungen zu formulieren, sondern auch konkrete Lösungen anzubieten – insbesondere für den Fall, dass die Bereitschaftsdienstambulanz in Einbeck trotz aller Bemühungen geschlossen bleiben sollte. Politik müsse nach Auffassung der Bürgerliste nicht nur reagieren, sondern vorausschauend handeln, bevor eine Versorgungslücke im Alltag tatsächlich spürbar werde.
Vor diesem Hintergrund schlägt die Bürgerliste ein Modellprojekt vor, das in vielen Regionen Deutschlands bereits erprobt werde und gerade für den ländlichen Raum großes Potenzial habe: den Einsatz von Gemeindenotfallsanitätern. Dabei handele es sich um besonders qualifizierte Notfallsanitäter, die gezielt zu Hilfeersuchen entsandt würden, bei denen medizinische Unterstützung notwendig sei, aber nicht automatisch ein Transport in eine Klinik oder ein ärztlicher Hausbesuch erforderlich werde. Viele Beschwerden, die abends oder am Wochenende aufträten, seien dringend, aber nicht zwingend notarztpflichtig. Gerade bei älteren oder nicht mobilen Menschen könne eine schnelle, strukturierte Hilfe vor Ort entscheidend sein.
Nach Darstellung der Bürgerliste könnten Gemeindenotfallsanitäter in solchen Fällen zu Hause unterstützen, eine medizinische Ersteinschätzung vornehmen, einfache Maßnahmen durchführen, beraten, die Situation dokumentieren und – wenn erforderlich – die richtigen nächsten Schritte einleiten. Dies entlaste Rettungsdienst und Notaufnahmen, reduziere unnötige Transporte und sorge dafür, dass ärztliche Ressourcen dort eingesetzt würden, wo sie tatsächlich gebraucht würden.
Die Bürgerliste betonte, dass es sich bei diesem Konzept nicht um eine theoretische Überlegung handele, sondern um gelebte Praxis in anderen Teilen Deutschlands. Besonders bekannt sei das Modell in der Region Oldenburg, Ammerland, Cloppenburg und Vechta, wo Gemeindenotfallsanitäter seit Jahren eingesetzt und wissenschaftlich begleitet würden. Auch in anderen Bundesländern liefen Modellprojekte, um genau die Probleme zu lösen, die auch im Landkreis Northeim absehbar seien: steigende Belastungen der Rettungsdienste, überfüllte Notaufnahmen und Versorgungslücken in der Fläche. Der Grundgedanke sei dabei ebenso simpel wie überzeugend: Nicht jeder medizinische Hilferuf sei ein lebensbedrohlicher Notfall, aber viele Anliegen benötigten dennoch zeitnahe und verlässliche Unterstützung, die wohnortnah, effizient und patientengerecht organisiert sein müsse.
Für die Region hält die Bürgerliste zwei Varianten für sinnvoll, die beide auf einer sachlichen Bedarfsanalyse basieren müssten. Denkbar sei ein Gemeindenotfallsanitäter für den Bereich Einbeck, Bad Gandersheim und Dassel, um dort gezielt die Wege zu verkürzen und Versorgung dort anzubieten, wo die Auswirkungen der Zentralisierung besonders spürbar wären. Alternativ könne man zwei Gemeindenotfallsanitäter für den gesamten Landkreis Northeim einsetzen, um eine flächige Wirkung zu erzielen und eine verlässliche Erreichbarkeit zu schaffen. In beiden Fällen sei aus Sicht der Bürgerliste entscheidend, dass es klare Einsatzkriterien, Qualitätsstandards und eine ärztliche Rückfallebene gebe, damit Patientensicherheit und medizinische Verantwortung jederzeit gewährleistet blieben. Es gehe ausdrücklich nicht darum, Ärztinnen und Ärzte zu ersetzen, sondern darum, ein modernes Bindeglied zwischen ambulanter Versorgung, Rettungsdienst und klinischer Notfallmedizin zu schaffen, gerade in einer Region, in der Wege und Ressourcen eine besondere Rolle spielten.
Abschließend erklärte die Bürgerliste, dass eine zunehmende Zentralisierung der Versorgung im ländlichen Raum häufig drei Folgen habe, die einander verstärkten: längere Wege, steigende Wartezeiten und eine häufigere Inanspruchnahme des Rettungsdienstes, weil Bürgerinnen und Bürger keine niedrigschwellige Alternative sähen. Genau diese Dynamik drohe nach Auffassung der Bürgerliste auch in der Region Einbeck. Deshalb sei es aus ihrer Sicht nicht ausreichend, lediglich über Zuständigkeiten zu diskutieren. Vielmehr müsse die Versorgungsrealität aktiv gestaltet werden. Landkreis und Kommunen trügen die Folgen struktureller Veränderungen unmittelbar mit und sollten daher auch die Chance erhalten, Lösungen mitzuentwickeln, die tatsächlich funktionierten.
Foto: Bürgerliste „Gemeinsam für Einbeck“