Einbeck (red). Die angekündigte Schließung der ärztlichen Bereitschaftspraxis am Einbecker Bürgerspital durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) sorgt weiterhin für deutliche Kritik in Politik und Gesellschaft. Insbesondere die aus Sicht der CDU mangelhafte Kommunikation und die inhaltlichen Folgen der Entscheidung stoßen auf erhebliches Unverständnis.
Im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung informierte Dr. Philip Degener, Geschäftsführer der Bezirksstelle Hildesheim der KVN, vor Ort über die Hintergründe der geplanten Schließung. An der Sitzung nahmen Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion sowie der CDU-Stadtratsfraktion Einbeck teil.
KVN begründet Entscheidung mit Auslastung und Landesvergleich
Dr. Degener führte aus, dass die Einbecker Bereitschaftspraxis im Durchschnitt lediglich von rund zwei Patientinnen oder Patienten pro Stunde genutzt worden sei. Zudem habe sich der Schwerpunkt der ärztlichen Bereitschaftsversorgung bereits seit einiger Zeit auf den Standort Northeim verlagert.
Im Vergleich zu anderen Regionen in Niedersachsen sei es nach Darstellung der KVN eher ungewöhnlich, dass zwei Bereitschaftspraxisstandorte lediglich etwa 20 Minuten Fahrtzeit voneinander entfernt liegen. Der landesweite Durchschnitt liege bei mehr als 30 Minuten. Die Entscheidung sei auch mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der medizinischen Versorgung getroffen worden, da ausscheidende Arztstellen künftig teilweise überzählig nachbesetzt werden müssten.
Die medizinische Versorgung sei aus Sicht der KVN durch die Zusammenlegung am Standort Northeim weiterhin gewährleistet. Ergänzend verwies Dr. Degener darauf, dass die Telemedizin bereits mehr als 80 Prozent der Fälle erfolgreich abdecke.
CDU sieht erhebliche Schwächung der Versorgung im ländlichen Raum
Diese Einschätzung wird von der CDU-Kreistagsfraktion, der CDU-Stadtratsfraktion Einbeck sowie der Kreisverwaltung deutlich kritisch gesehen. Aus Sicht der Christdemokraten stellt die geplante Schließung eine Schwächung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum dar, die nicht nur die Stadt Einbeck, sondern den gesamten nördlichen Landkreis Northeim betreffe.
In einer gemeinsamen Stellungnahme erklären die CDU-Fraktionen, die Entscheidung sei ohne Vorwarnung und ohne tragfähige Nachfolgekonzepte getroffen worden. Dies schüre bei der Bevölkerung Unsicherheit hinsichtlich der ärztlichen Versorgung vor Ort. Eine solche Vorgehensweise sei politisch nicht hinnehmbar.
Kritisiert wird insbesondere die Kommunikation der KVN. Die Schließung wird als „plötzliche und einsame Entscheidung“ bezeichnet, die weder ausreichend durchdacht noch in dieser Form akzeptabel sei.
Politischer Widerstand angekündigt
Nach Auffassung der CDU-Fraktionen sei ein gemeinsames Vorgehen erforderlich, um die Schließung der Bereitschaftspraxis zu verhindern oder rückgängig zu machen. Die befürchtete Ausdünnung der medizinischen Versorgungsstruktur betreffe den gesamten Nordbereich des Landkreises.
Erste politische Schritte seien bereits eingeleitet worden. Vorgesehen sind unter anderem die Beteiligung des Seniorenrates, eine Beratung im Kreissozialausschuss sowie die Erarbeitung einer gemeinsamen Resolution durch die betroffenen Stadträte. Die CDU kündigt an, der Entscheidung der KVN politisch entschlossen entgegenzutreten.