Landkreis Northeim (red). Betrugsfälle im Zusammenhang mit Geldanlagen im Internet beschäftigen weiterhin die Polizei im Landkreis Northeim. Wie die Ermittler mitteilen, ist allein in den vergangenen rund sechs Wochen ein Gesamtschaden von mehr als 645.000 Euro entstanden.
Die Schadenssummen bewegen sich dabei häufig im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich, in Einzelfällen aber auch im sechsstelligen Bereich. Der bislang höchste Schaden liegt nach aktuellen Erkenntnissen im mittleren sechsstelligen Bereich. Betroffen sind überwiegend Menschen aus mittleren und höheren Altersgruppen, die ihr Erspartes gewinnbringend anlegen möchten.
Betrug beginnt oft mit gefälschten Prominenten-Videos
Nach Angaben der Polizei beginnt der Betrug häufig mit Werbeanzeigen oder Videos in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram, zunehmend aber auch über vermeintliche Informationsvideos bei Google News. In diesen Clips treten bekannte Persönlichkeiten auf, denen mithilfe künstlicher Intelligenz manipulierte Aussagen zu angeblich lukrativen Geldanlagen in den Mund gelegt werden. Tatsächlich stehen die gezeigten Personen in keinem Zusammenhang mit den Angeboten.
Über verlinkte Webseiten geben Interessierte ihre Kontaktdaten an. Anschließend melden sich angebliche Anlageberater – häufig per WhatsApp oder über ausländische Telefonnummern, etwa aus Großbritannien oder Österreich. Die Gespräche erfolgen meist auf Deutsch, teilweise auch auf Englisch.
Hohe Gewinne nur vorgetäuscht
Die Täter werben mit hohen Renditen. Ein erstes Investment – oft rund 250 Euro – scheint innerhalb kurzer Zeit stark zu wachsen. Die dargestellten Gewinne sind jedoch manipuliert und existieren nicht. Tatsächlich wird das Geld nicht investiert, sondern direkt von den Tätern abgegriffen.
Im weiteren Verlauf werden die Opfer dazu gebracht, immer höhere Summen zu überweisen – oft auf unterschiedliche Konten im In- und Ausland. Zusätzlich werden sie angewiesen, Konten bei Krypto-Börsen einzurichten. Dabei verschaffen sich die Täter Zugriff auf die Zugangsdaten und somit auf das gesamte Guthaben.
Erst wenn Betroffene versuchen, ihre angeblichen Gewinne auszahlen zu lassen, wird der Betrug offensichtlich. Auszahlungen werden mit Verweis auf angebliche Gebühren oder Steuern blockiert oder der Kontakt bricht vollständig ab. Die Webseiten sind dann häufig nicht mehr erreichbar.
Polizei rät zu besonderer Vorsicht
Die Polizei Northeim warnt eindringlich vor solchen Angeboten. Besonders misstrauisch sollten Bürgerinnen und Bürger sein, wenn sie von unbekannten Personen aus dem Ausland kontaktiert werden oder ungewöhnlich hohe Gewinne versprochen werden.
Empfohlen wird, kein Geld an unbekannte Anbieter zu überweisen und nur in Anlageformen zu investieren, die nachvollziehbar sind. Im Zweifel sollten Interessierte fachkundigen Rat, etwa bei ihrer Hausbank, einholen.