Südniedersachsen (red). Der Verein „JägerInnen Südniedersachsen e.V.“ stellt sich organisatorisch neu auf. Bei der Mitgliederversammlung votierten die Mitglieder für eine flexible Führungsstruktur und beschlossen, den Verein künftig durch einen sogenannten Teamvorstand zu führen. Damit verteilt sich die Verantwortung auf mehrere gleichberechtigte Mitglieder. Aufgaben und Verantwortungsbereiche sollen so auf leistbare Größen reduziert werden.
Teamvorstand soll Ehrenamt stärken
Der Verein, in dem sich überwiegend jagende Frauen engagieren, ist über Landkreisgrenzen hinweg aktiv. Die Mitglieder bilden sich gemeinsam fort, tauschen sich aus und gestalten ihr jagdliches Engagement gemeinsam. Mit der neuen Vorstandsstruktur möchte der Verein Überlastung vermeiden und den Zusammenhalt weiter stärken. Erfahrungen anderer Vereine zeigen nach Angaben des Vereins, dass kooperative Strukturen ehrenamtliches Engagement attraktiver machen können.
Vortrag zur schwierigen Lage des Rotwildes
Neben den vereinsinternen Entscheidungen stand auch ein wildbiologisches Thema im Mittelpunkt. Eingeladen war Dr. Katharina Westekemper, Leiterin der Wildbiologischen Forschungsstelle des Landesbetriebs HessenForst. Die Forschungsstelle führt Monitorings durch, beschäftigt sich mit Wildmanagement und forscht zu verschiedenen Wildarten.
In ihrem Vortrag informierte Dr. Westekemper über die Situation des Rotwildes in Deutschland. Dessen Lebensraum ist in vielen Bundesländern gesetzlich geregelt und auf sogenannte Rotwildbezirke beschränkt. Hinzu kommen Siedlungen, Autobahnen und ein dichtes Straßennetz. Dadurch werden Populationen voneinander isoliert, sodass ein genetischer Austausch vielerorts kaum noch möglich ist.
Genfluss in vielen Populationen stark eingeschränkt
Nach den vorgestellten Informationen gibt es in 32 von 34 beprobten Rotwild-Populationen Hinweise auf einen stark eingeschränkten Genfluss. Die Folgen können eine Verarmung der genetischen Vielfalt und Hinweise auf Gendefekte sein, etwa verkürzte Unterkiefer. Im ungünstigsten Fall kann eine dauerhaft isolierte Population langfristig in ihrem Bestand gefährdet werden.
In der Untersuchung von 34 Rotwild-Vorkommen beteiligen sich demnach nur noch in zwei Populationen ausreichend Tiere an der Fortpflanzung, um langfristig eine gesunde Population zu erhalten: eine in der Nordheide und eine an der Müritz.
Grünbrücken und Wanderkorridore als mögliche Lösung
Aus Sicht des Artenschutzes müssen Rotwild-Lebensräume stärker miteinander verbunden werden, um den Genpool zu sichern, Inzucht zu verhindern und genetischen Austausch wieder zu ermöglichen. Als wichtige Maßnahmen gelten Grünbrücken und Querungshilfen über Verkehrswege.
Einen ersten kleinen Erfolg gibt es in Hessen: In die jüngst überarbeitete Schalenwildrichtlinie wurden geschützte „Wanderkorridore“ aufgenommen. Sie sollen dazu beitragen, dass Rotwild wieder bessere Möglichkeiten zum genetischen Austausch erhält.
Foto: JägerInnen Südniedersachsen e.V